Von der Schönheit der digitalen Welt

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Zeitreisen. Der Traum meiner Generation. Am liebsten wäre man doch ein junger Erwachsener in den 50er Jahren. Da, wo die Männer noch die Frauen fragten, sie in ihren schnellen Autos durch die Gegend fuhren, ihnen Blumen und Milchshakes kauften. Da war die Welt so einfach, so unbeschwert, so locker.

Oder ein Student in den 80ern. Denn die waren ja so frei und glücklich. Sie sorgten sich nicht um ihre Zukunft, die sorgten sich nicht um Arbeitslosigkeit oder die NPD. Damals, als noch alle Beziehungsfähig waren, als das Leben noch schön und ein Abenteuer war, man noch in Kneipen rauchen durften und das böse Smartphone und das Internet noch nicht unsere Gehirne vernebelt haben.

Stattdessen leben wir in dieser verkorksten Welt, in der alle nur an sich selbst denken und niemand mehr weiß was Kapitalismus eigentlich bedeutet. Niemand ist Beziehungsfähig, das Kommunizieren ist schon seit einem guten Jahrzehnt verlernt und lesen kann auch keiner mehr. Musik kommt nur noch aus dem Computer, niemand will mehr Tanzen gehen und statt Vodka Brause gibt es LSD und Matcha. Eine Welt, in der man über Leichen gehen muss um Karriere zu machen, wo die Studenten ihr BaFög für Ritalin statt für Konzertkarten hergeben um die nächste Klausur zu schaffen. Früher, da war alles besser. Wären wir nur in einer anderen Zeit geboren. So viel einfacher wäre unser Leben.

Ich weigere mich das zu Glauben. Ich weigere mich das hinzunehmen.

Das Internet hat uns ehrgeizig gemacht, vielleicht hat es uns sogar zu besseren Menschen gemacht. Der Vergleich zündet ein Feuer in uns, was voran treibt, was Mut macht und uns einen guten Überblick über unser Umfeld gibt.

Keiner muss mehr im Dunkeln tappen, unsicher wer er ist und wo er hin geht. Denn diese eine Nische hat ja inzwischen jeder gefunden, in die er am Besten passt. Doch hat man seine Niesche erst einmal gefunden, wird man natürlich fest stellen, dass sich dort bereits ein paar Leute tummeln. Wo man sich vor 20 Jahren noch als Unikat empfunden hat, kann man sich heute fast sicher sein, dass man einer von vielen ist.

Wie geht man um mit den ganzen Youtubern, Fotografen, Künstlern, Bloggern, Autoren, den Sprücheklopfern und Köchen, den Super-Studenten, den Beziehungsexperten und perfekten Eltern, die sich heute so im Internet tummeln? Die uns ihr perfektes Leben jeden Tag unter die Nase reiben und uns beweisen wollen, dass sie ihre Sache besser machen als wir.

Ich sage dazu, nehmt euch daran doch mal ein Gutes Beispiel. Entwickelt doch mal ein bisschen Ehrgeiz.

Dass das Vergleichen bis zu einem gewissen Maße noch niemanden geschadet hat, das ist erwiesen. Der Blick auf andere prägt unsere Persönlichkeit und unsere Fähigkeiten und das nicht zum schlechten.

Voneinanderlernen heißt hier das Zauberwort, das wohl wirklich in Vergessenheit geraten ist. Was so viele mit Neid und Missgunst zerstören, ist tatsächlich das Mittel um sich selbst zu optimieren. Um sich selbst besser zu machen, sich sogar besser zu fühlen, ein besseres Leben zu führen.

 

Das Internet und besonders das Social Web ist da praktisch der Garten Eden des Voneinanderlernens. Das ist eine Quelle von unerschöpflichen Wissen, von Menschen die dir etwas beibringen können und wollen. Jeder einzelne von denen wird dich dazu anspornen besser in dem zu werden was du machst und sie werden dich dazu anspornen selber zu teilen, was du erlebst und was du gut kannst.

Whatsapp und Facebook haben uns beigebracht, wie man sozial ist. Immer erreichbar sein, das ist schwer manchmal, aber irgendwie haben wir schon gelernt damit um zugehen. Uns der Familie und den Freunden mitzuteilen, so oft es geht, ein paar Sätze in Handy tippen, hunderte soziale Kontakte wöchentlich zu denen, die wir Lieben, egal über welche Entfernung. Das spornt an sich selbst nicht zu verlieren, am Ball zu bleiben, seine Freundschaften zu pflegen, auch wenn wir uns gerade räumlich oder geistig von dem Leben der anderen entfernen. Das erinnert uns daran an andere zu denken und sich immer wieder zu begegnen. Werden diese Kontakte dadurch stumpfer oder weniger relevant? Das liegt wohl daran, was jeder einzelne aus dem Whats-App Zweizeiler macht. Wichtig ist wohl, den Autor dieser Zeilen, den Menschen dahinter nicht aus den Augen zu verlieren, denn hinter jedem digitalen Hallo, steht schließlich auch eine analoges Herz.

 

Instagram, das Selbstinszenierungstool aus der Psycho-Hölle. Doch wenn wir da durch scrollen uns die Bilder der unbekannten, geheimnisvollen User ansehen, dann wird die Welt plötzlich irgendwie schöner. Menschen, die schöner aussehen als sonst, Essen was einfach nur zum anbeißen aussieht, Momente die uns zum träumen, zum Lachen oder zum Nachdenken anregen. Irgendwie Dinge die uns alle Glücklich machen und das auch noch aus dem Leben von echten Menschen, die vermutlich nicht so viel anderen erleben, wie wir auch. Anstatt sich über den verfälschten Teil dieser Bilder aufzuregen, ist selten jemand auf die Idee gekommen sich auf die Wahrheit in diesen Inhalten zu konzentrieren. Neugierig zu werden, nach dem Menschen, der Geschichte und dem gezeigten Ort, denn diese Dinge sind zweifelsohne echt. Ein gutes Instagram-Bild zu posten, das schult den Blick nicht für unwesentliche Dinge sondern animiert eher dazu auf der Suche nach etwas Schönem durch den Alltag zu gehen.

 

In Wirklichkeit nämlich, sind wir gar keine gefühlskalten Roboter, die nicht mehr mit menschlicher Nähe umgehen können. Unsere Welt ist weder künstlich noch trostlos und unsere Zukunft ist auch nicht verkommen oder durch Einsamkeit geprägt. Wir sind vielleicht lediglich Opfer unsere eigenen Vorurteile geworden.

In Wirklichkeit sind wir eine Generation von jungen Menschen, die ausgesprochen gebildet und neugierig ist. Die gelernt hat Hürden zu überwinden und sozial so vielseitig und begabt ist, dass sie es schafft überall auf der Welt erfolgreich sein zu können. Vielleicht aber ist unser Problem nur, dass das Lernen zurzeit irgendwie weniger im Trend ist, als das Wissen.

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2 Kommentare zu „Von der Schönheit der digitalen Welt

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