Sonntagsblues

Google Trends spricht Bände über die Stimmung der Deutschen: Wir langweilen uns. Tippt man Wörter wie „Langeweile“, „Veranstaltungen“ oder „Freizeitaktivitäten“ in das Suchfeld des Stimmungsbarometers der Republik ein, schlägt der Balken einmal die Woche ganz besonders aus: am Sonntag.

Die Deutschen: fleißig und wenig Arbeitsscheu. Zwischen 40 und 50 Stunden in der Woche arbeiten wir alleine Büro, die meisten Bürger haben dann noch ein Hobby, Familie oder sogar ein Privatleben. Die heilige Rettungsinsel des Wochenende, worüber alle im Netz immer sprechen ist dann quasi der heilige Gral der Freizeitbeschäftigung. Samstag, das klingt wie Musik in den Ohren. Trotzdem sieht die Realität meist so aus, das man den ganzen Samstag meist damit verbringt sich mit den anderen tausend Bewohnern seiner Nachbarschaft beim Lidl an die Kasse zu stellen, Einkäufe nach Hause schleppt, einfach alles tut um bis 14 Uhr noch eine Postfiliale zu erwischen, sein Auto zu unverschämten Preisen zu tanken, bis man dann abends komplett entnervt und gestresst auf die Uhr sieht und bemerkt, dass man die wenige Freizeit, die man sich einräumen wollte vermutlich damit verbrachte einen Parkplatz zu suchen.
Doch was darauf folgt ist eigentlich eine noch größere Fass: Der Sonntag.
Die Sonne geht auf, die Geschäfte bleiben zu, die Menschen bleiben daheim und tippen verzweifelt ihre Fragen in die Google Suche: Was soll ich nur heute machen? Ich kann nicht die ganze Woche 200% geben und dann 24 Stunden lang die Füße still halten und darauf warten dass es endlich wieder Montag ist. Bitte Google, sage mir wo heute Verkaufsoffen, ein Flohmarkt, eine Museumseröffnung oder ein Grund zu Saufen ist. Ich nehme Alles, Hauptsache ich muss nicht zu Hause bleiben, nach Holland fahren oder in die Kirche gehen.

Studien haben tatsächlich bewiesen, dass die Sonntagsdepression eine echte Sache ist. Nicht wenige fühlen sich oft seltsam leer und nutzlos, wenn sie einfach so auf heiterem Himmel gezwungen werden ihr Leben für einen Tag pro Woche zu unterbrechen. Besonders Menschen mit einem höheren IQ tun sich nachweislich schwer mit dem heiligen Tag der Ruhe.
Viele Menschen, besonders beruflich stark eingebundene stehen dann trotzdem früh auf, denn schließlich kann man den Biorhythmus ja nicht ausstellen, nur weil Sonntag ist. Man denkt dann an all die Dinge, die man im Büro oder sonst wo erledigen könnte, während man zu Hause bleibt und Däumchen dreht. Denn das Leben geht ja weiter, auch obwohl Sonntag ist.
Ich finde die Thematik super spannend, da ich immer dachte meine schlechte Laune an Sonn- und Feiertagen sei einfach nur ein Spleen. Tatsächlich hat das Kind aber sogar einen Namen, es heißt „Sonntagsneurose“ und ist eine relativ verbreitete und gut erforschte Volkskrankheit. Abgesehen von Antriebslosigkeit und Müdigkeit leiden viele auch unter körperlichen Symptomen wie Magen- Darm, Kopfschmerzen und Unwohlsein – Freizeitkrankheiten.

Warum sind wir das gefühlt letzte Land, was die Sonntagsarbeit verbietet? Der Europäische Gerichtshof lockerte die Klausel zum Arbeitsverbot bereits in den 90er Jahren, viele unserer Nachbarn wie z.B. Holland öffnen ihre Geschichte seither, schließen dafür an einem anderen Tag.
Liebe Bundesrepublik, wir schreiben bereits das Jahr 2016. Wir leiden, wir werden Krank, es geht und schlecht, der Wirtschaft geht es schlecht, ein verkaufsoffener Sonntag in der Öffentlichkeit ist unzumutbar und Samstage sind es eigentlich auch. Es ist allerhöchste Zeit hier mal etwas zu ändern, oder nicht? Was macht ihr Sonntags?

Hier ist noch ein interessanter Artikel zu diesem Thema.

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