What we Share – HeForShe #sunnyonfeminism

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Wisst ihr noch Hermione Granger? Richtig, das ist ungefähr genauso lange her, wie mein letzter Blogpost zum Thema Genderequality. Obwohl es eigentlich eines meiner Lieblingsthemen ist, eigentlich viel zu wichtig, um es beiseite zu lassen. Nachdem ich zwei Artikel über ein paar eigene Erfahrungen geschrieben habe, wollte ich mich nun ein bisschen dem widmen, was andere in diesem Belang unternehmen. Zurück also zu Hermione Granger.

Emma Watson hat geschafft, was ich nie schaffen werden: Sie hat Harry Potter irgendwann hinter sich gelassen und ihre Energie in Dinge gesteckt, die diese Welt nachhaltig verändern könnten. Erst gestern hat Anne Hathaway ihre Nachfolge als UN Goodwill Ambassador angetreten. Zwar keine Stelle, die sich ausschließlich mit der Gleichberechtigung von Geschlechtern befasst, aber trotzdem ist es wichtig zu beleuchten, was eine Feministin in dieser Rolle erreicht hat. Im Januar dieses Jahres relaunchte Emma, zusammen mit UN Woman das Solidary Movement HeForShe. Wer Emma Watson auf diversen Social-Media-Kanälen folgt, konnte sich davon einige Zeit nicht retten. Mein erster Gedanke war: Interessant, aber radikal.
Das wirft natürlich die Frage auf, wie radikal eine Organisation, die für Geschlechtergleichheit kämpft sein darf. HeForShe hat für mich Licht auf Aspekte zu diesem Thema geworfen, die mir bis Dato null bewusst waren. Der Gedanke hinter der Gründung war zu Anfang ein ganz anderer, als der des Endproduktes: Männer für Frauen. Bis Anfang dieses Jahres konnten sich bei HeForShe nur männliche Teilnehmer registrieren. Das war 2014 mit Sicherheit ein alleinstellungsmerkmal, allerdings sagte auch schon Emma Watson bei ihrer Ernennung, dass das einfach nicht Reiche. Ein neuer Denkansatz musste her.
Männer und Frauen für Frauen. Das ist im Kern schon eine steile These. Das würde nämlich implizieren, das allein Frauen mit Ungerechtigkeit zu kämpfen haben, um die es sich zu kümmern gilt. Auch darauf hat HeForShe ein wenig Licht geworfen. Geschlechtergleichheit ist Jedermans Problem, weil auch jeder damit zu kämpfen hat.
Männer und Frauen für Männer und Frauen. Das wäre die wahre Auslegung von Gleichberechtigung. Und so arbeitet auch HeForShe. In den Bereichen Bildung, Gesundheit, Identität, Gewalt und Politik werden hier die richtigen Fragen gestellt. Und beantwortet. Wer wird besser versorgt, wer hat mit Vorurteilen zu kämpfen, wer wird benachteiligt, wer leidet und warum? Zu erwähnen ist zwar, dass die Antworten oft zum Ungunsten der Frauen ausfallen, aber Männer auch nicht auf der Welt sind um angepasst zu leben. HeForShe guckt auf fast jedes Land der Welt, erklärt die Sachlage, analysiert die Chancen und Konflikte. Aber Awareness Kampagnen gibt es wie sind am Meer, was hier immer wieder auffällt ist der Call to action. Unternehmt etwas.
Gut 14.000 Versprechen für Geschlechtergleichheit aufzustehen zählt die Website für Deutschland bisher, davon sind 10.000 nur Männer. Das spricht Bände über das eigentliche Problem, das HeForShe versucht anzupacken. Während auf Frauenseite meines Erachtens meist die „Ich beweise, dass ich es auch kann“-Stimmung herrscht, scheinen die Männer hier zusagen: „Ihr müsst uns gar nichts beweisen. Wir sitzen auch nicht immer auf dem Stuhl, auf dem wir sitzen wollen.“
HeForShe gibt Menschen so verschiedene Dinge an die Hand, um in der Gesellschaft präsent zu werden, um zu lehren, was es heißt wirklich etwas zu unternehmen. Sei es durch Merch, durch Material für Vorträge in der Schule, durch Facebook oder Twitter Posts, die man teilen kann, oder um die Eintrittskarte in diese Bewegung: Make the commitment. Und vor allem die konkrete Benennung, von dem, was uns ständig begegnet, wir aber schon als gegeben hingenommen haben, HeForShe bittet ums Aufstehen, ums Hinweisen auf Missstände. Für euch 3 Beispiele im Praxistest:

1. It’s not okay. // Education

Zu sagen, dass jemand „wie ein Mädchen“ oder „wie ein Junge“ ist, scheint auf den ersten Blick unbedenklich, harmlos, völlig normal. In einem Zeitalter, in dem erkannt worden ist, dass sich Menschen als mehr identifizieren als nur als männlich oder weiblich, regt das zum Überdenken an. Würdet ihr eurem Lehrer, euren Eltern oder Trainer sagen, solche Sätze zu unterlassen? Ich habe es zu Schulzeiten zumindest nicht getan, obwohl gesollte hätte.

2. Break the taboo // Health

Gesundheitliche Themen, wie nur Frauen oder nur Männer betreffen haben oft noch ein undurchdringliches Tabu über sich liegen. Virale Trends beweisen aber den Wunsch nach einer Veränderung. Immer mehr wird im Netz offen über Frauenhygiene diskutiert, Späße gemacht und sich offen ausgetauscht. „Period talk“, ist ein echtes Thema geworden. Wer offen redet, nimmt denen die sofort mit „Ekel“ und „Privat“ um sich schmeißen den Wind aus den Segeln. Und im Ernst, es gibt mit Sicherheit Themen, die viel schwerer Gesellschaftstauglich zu machen sind und es obendrein noch viel nötiger hätten.

3. Don’t laugh // Work
Dieses Thema hat mich persönlich am meisten angesprochen. Die Werbebranche ist schnelllebig und nah am Zeitgeschehen. Zum Weltfrauentag wurde eine Kampagne gestartet, in der Männer Zitate vorlesen, die Frauen in der Agentur schon zu hören bekommen haben. Beschämend war das. Sehr eindringlich und sehr gut gemacht. Aber beschämend für eine ganze Branche, die eigentlich als fortschrittlich gelten sollten. Wie reagiert man dann, wenn der Kollege einen superlustigen „Osterhäschen“ Spruch über einen reist? Wie war das noch mit der 20/20 Kampagne? Wenn man so reagier ist man dann direkt erstmal der Spaßverderber und man rudert dann direkt lieber zurück: „Nein, nein alles gut,“ und lacht lieber gemeinsam über etwas, was vielleicht gar nicht so lustig ist. Aber wo ist da die Grenze? Sollte man lieber einmal mehr der Spaßverderber sein, aber für die Sache einstehen, oder lieber Mitlachen und den Frieden bewahren? Frieden auf Kosten der Gleichberechtigung?
Ein schwieriges Thema um drüber zu reden, schwierig um einen Standpunkt zu finden und noch schwieriger um etwas zu unternehmen. HeForShe hilft vielleicht, aber die Schritte die man in der Realität sind wesentlich kleiner, als die die einem vorgeschlagen werden. Das ist schade und das ist ein Problem. Aber ein Anfang.


HeForShe Website 

20/20 Kampagne der TBWA

Emma Watson’s Rede zu HeForShe 2014

HeForShe auf TED

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9 Kommentare zu „What we Share – HeForShe #sunnyonfeminism

  1. Ein wahrlich toller Beitrag 🙂
    Und ein sehr sehr wichtiges Thema mit dem ich mich immer mehr beschäftige. Was mich so stört ist, dass viele Feminismus nur als „Rechte für Frauen erkämpfen“ verstehen, dabei ist es so viel mehr und geht darum allen die Rechte einzuräumen, die sie verdienen und die ihnen zustehen. Daher top dass du darüber schreibst

    Liebe Grüße
    http://hydrogenperoxid.net/blog/

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    1. Hey,

      bei Feminismus geht es zwar wirklich nur um Frauen, aber letztlich ja auch nur um Gleichberechtigung einzufordern. UNd die Rechnung kann man tatsächlich nicht ohne den Rest der Bevölkerung machen.
      Freut mich, dass der Artikel dir gefallen hat.

      Viele Grüße.
      S

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  2. Danke für den tollen Beitrag!
    Seit Emma Watson bei heforshe arbeitet finde ich hat sich die Sicht auf Feminismus verändert. Wurde man früher nur belächelt oder mit Alice Schwarzer gleich gesetzt ist es jetzt wesentlich moderner geworden. Es geht nicht mehr darum, die Männer zu unterdrücken, damit Frauen mehr Rechte haben, sondern um eine tatsächliche Gleichberechtigung. Diese Entwicklung feire ich sehr! Hast du vielleicht ein paar Buchempfehlungen für dieses Thema?
    Liebe Grüße, Arina

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  3. Hallihallo, vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Emma Watson hat ganz eindeutig viel bewegt, was den Feminismus angeht. Immerhin hatte sie ja auch vorher als Schauspielerin schon eine Vorbildfunktion bei jungen Frauen. Und sie hat eben auch ein Talent dafür, dieses doch sehr sensible Thema auf den Punkt zu bringen, ohne zimperlich zu sein.
    Da ich leider keine große Leseratte bin habe ich leider keine großen Buchtipps für Dich. Von Emma Watson’s Feminismus Buchclub hast du vielleicht schon gehört, aber hier trotzdem noch mal der Link:

    http://www.goodreads.com/group/show/179584-emma-s-book-club—our-shared-shelf

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