Eine Nationalität haben // GetGermanized

Was heißt es eigentlich Deutscher zu sein? Viele hierzu Lande sind ihr ganzes Leben um eine Antwort verlegen geblieben. Passende Antworten könnten sein: „… es heißt ein Mensch zu sein“, oder, „es heißt eigentlich gar nichts“. In den letzten Jahren hat sich hier aber noch eine neue Meinung eingemischt. Eine die zwar schon immer über Deutschland lag, aber oftmals als irrelevant oder als Mythos empfunden wurde. Warum haben wir kein Nationalgefühl? Weil wir keines haben dürfen.


Vor einigen Wochen lud ich einen guten Freund, den ich schon sehr lange kenne zum Public Viewing ein. Er entgegnete, dass er nicht zum Public Viewing gehen wolle, weil er es unangebracht findet in heutigen Zeiten mit der Deutschen Flagge um sich zu schmeißen. Ich bin da relativ leidenschaftslos. Ich finde Nationalstolz ist ein veraltetes Konzept, dass heute genauso ausgedient hat, wie Keuschheitsringe oder Kassettenrekorder. Jeder Mensch ist in irgendeinem Land geboren worden, das ist kein Grund zum Stolz, damit hat man ja nichts erreicht oder eine Leistung erbracht. Aber es mit Sicherheit auch kein Grund zur Scham. Dir deutsche Flagge an sich birgt meiner Meinung nach keinen Idealismus oder eine gesellschaftliche Einstellung. Ich fühle mich mit den rechtsradikalen Vollidioten nicht mehr verbunden, als mit Trumpanhängern oder KPÖ-Wählern nur, weil sie eben zufällig im selben Land geboren worden sind als ich. Naja, und die deutsche Nationalmannschaft trägt eben die gleichen Farben, wie die Republik selbst. Muss man befürchten, mit dem Wedeln einer Deutschenflagge eine Solidarität zur den Nationalpopulisten auf zu bauen, sei es nur aus sportlichen Gründen? Was assoziiert der Rest der Welt mit den deutschen Farben? Die antiquierten Arbeitswütigen, die jetzt wieder zurück wollen zu Hitlerdeutschland? Bestärkt man diesen Eindruck, wenn man wieder die schwarz-rot-goldenen Fähnchen an seine Autofenster klemmt?
Deutschland ist hoch populär. Auf YouTube & Co gibt es hunderte, wenn nicht tausende Kanäle, in denen zugezogene oder hier geborene Deutsche über dieses Land referieren und extrem großen Erfolg haben. Dort ist von Populismus oder Flaggen-Hass nichts zu bemerken. Im Internet ist Deutschland nicht mehr oder weniger interessant als alle anderen Länder: Mit einer Kultur, die aufregend und anders ist, mit Menschen, die Geschichten zu erzählen haben.
Einer von diesen Referenten ist Dominik von GetGermanized, der so nett war mir ein paar wenige Fragen kurz zu beantworten. Dominik macht seit 7 Jahren Videos auf YouTube. Anfangs nur mit dem Ziel sein Englisch zu verbessern erzählte er in seinen Videos vom Leben in Deutschland und diese Thematik stieß auf reges Interesse: Die Viewer hören gerne über Deutschland und stellen auch gerne Fragen. Nicht überkritisch oder verurteilend, sondern einfach mit einer gesunden Portion Neugierde.
Wie steht also jemand zu Nationalstolz, der einen Großteil seiner Zeit damit verbringt über sein eigenes Land zu sprechen? Für Dominik hat das zwei Seiten: Zum einen schürt es eine Rivalität gegenüber Menschen, die man noch nie in seinem Leben gesehen hat. Zum anderen kann dieses starke Heimatgefühl auch als Ankerpunkt für Menschen dienen, was ja perse erst einmal nichts Negatives darstellt. Flagge zeigen ist in Ordnung, so lange es nicht ausartet.
Das klingt meines Erachtens als eine ziemlich gute Universallösung für jedes Land auf der Welt. Denn eine Nationalität zu haben ist schließlich kein Alleinstellungsmerkmal, daher gibt es meines Erachtens auch keine Veranlassung, diese in manchen Ländern regelrecht zu „feiern.“
Gibt es noch das Bedürfnis sich abzuheben, von den engen Nachbarn in Europa? Dass Kultur nicht verschwindet, nur, weil die Welt näher zusammen rückt hat inzwischen auch jeder bemerkt. Nationalismus hin oder her, ein Land wird definiert durch die Menschen, die es bewohnen. Sie prägen eine Kultur und bilden das Alleinstellungsmerkmal, mit dem der bloße Nationalismus nicht dienen kann. Was sollte man dann über Deutschland nach außen tragen? Gerade in Zeiten, wo Deutschland ein politisches Sensibelchen zu sein scheint.

„Ich möchte Deutschland als herzliches und offenes Land präsentieren, das seine alten Gewohnheiten abgelegt hat. Ich möchte zeigen, dass Menschen anderer Hautfarbe oder einfach anderer Nationalität keine Angst haben müssen herzukommen, sei es nur zum kurzen Besuch oder gar zum Leben in Deutschland. Dabei lege ich jedoch auch Wert darauf mitzuteilen, dass wir hier nicht jedes Verhalten akzeptieren, allerdings jeder freundlich behandelt wird, solange er sich vernünftig und menschenwürdig benimmt.“

Ein klarer Standpunkt, der auch ziemlich ungefiltert bei seinen 167.000 Subs ankommt.


Vielen Dank Dominik, für die Beantwortung meiner Fragen und viel Erfolg weiterhin!

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