Let’s talk Trump #sunnystorytelling

Die Vereinigten Staaten von Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Land in dem alles möglich ist, auch Donald Trump. Ein Land, mit dem mich mein ganzes Leben sehr viel verbindet. Von Sommerurlauben in Florida, den für mich schönsten Ort der Welt, bis zu meinem Auslandjahr in Pennsylvania. Ich denke viel an die USA.
Durch mein Ehrenamt bei meinem Austauschverein rede ich auch viel über die USA. Die Bewerber und zukünftigen Austauschschüler fragen, wie die USA wirklich ist. Sie wollen wissen, was sie erwartet und was von den vielen Vorurteilen und Horrorgeschichten über Rassisten und Waffen, Kleinstädte und Fast Food wirklich stimmt. Und ich antworte dann, dass davon sicher ein paar Sachen stimmen, aber dass ich die USA immer als weltoffenes, freundliches Land erlebt habe. Dass der American Dream schon ein bisschen Wirklichkeit ist. Das glaube ich auch wirklich. Während die USA für viele immer dieser riesige Fleck auf der Weltkarte war, in dem so viele Dinge passieren, die wir Europäer nicht verstehen. Ein Land mit verblendeten Menschen, die nichts außer ihr eigenes Land im Sinn haben.
So habe ich irgendwie nie gedacht. Denke an die USA, dann denke ich an meine Gastfamilie, die High School, das unbeschwerte Leben und wie dieses Jahr mein Leben und mich veränderte. Und was ist nun mit den Waffen? Was ist mit Trump und dem Ku-Klux-Klan? Was ist mit dem Fast Food, was mit dem Bildungsniveau der High School? Die Geschichten, die es dazu zu erzählen gibt, dringen mit Sicherheit in die dunkleren Ecken meines Auslandsjahres vor und ich möchte an dieser Stelle einmal betonen, dass diese Dinge zwar so manchem Austauschschüler begegnet sind, sie aber keines Falls die USA als Ganzes widerspiegeln sollen. Es handelt sich dabei lediglich um einige, wenige Negativbeispiele. Negativbeispiele, die allerdings ein bisschen Licht auf all die Fragen werfen könnten, die mich in Punkto Trump so umtreiben.
Mit der Toleranz ist das so eine Sache. Sie gilt zwar als das A&O eines guten Charakters, allerdings mit Sicherheit kein Attribut, dass man an einem Abend beschließen und ab dem nächsten Morgen umsetzen kann. Toleranz ist Arbeit. Und Toleranz ist schwer. Meine Mitschüler haben mich da öfter auf die Probe gestellt, sodass ich mich auch oft fragen musste, ob ich einfach nur versuchen sollte tolerant zu sein, oder ob mich das zum stillen Zeugen machte. So erklärte mir ein Mitschüler eines Tages im Mathekurs, dass die Wirtschaft der USA nur den Bach runterginge, weil der Präsident schwarz ist. Ich glaube, im ersten Moment hat mein 15-Jähriges Ich, diesem Mitschüler nicht einmal Rassismus unterstellt, ich habe tatsächlich nach einem Sinn in dieser Aussage gesucht. Also noch mal von vorne: Die Wirtschaft der USA, geht nur den Bach runter (tut sie zwar gar nicht und tat sie auch damals nicht), weil der Präsident schwarz ist. Bis Dato hatte ich noch nie sowas etwas offen ausgesprochen gehört, besonders nicht mit dem Ernst, den dieser Mitschüler an den Tag legte. Das einzige was diesen Jungen heute also davon abhalten könnte Trump zu wählen, ist vielleicht die Tatsache, dass die anderen Kandidaten nicht schwarz sind.
Auch sollte man an dieser Stelle erwähnen, dass „Fuck“ im Unterricht zu sagen zu einer Suspendierung führt, rassistisches Gedanken Gut aber als freie Meinungsäußerung. Mich hatte diese Situation damals wirklich stutzig gemacht. Pennsylvania ist ein liberaler Staat, der in der Regel überwiegend demokratisch wählt. Rassismus ist hier zwar kein Alleinstellungsmerkmal, aber mit Sicherheit nicht so weit verbreitet, wie das in westlicheren Staaten vielleicht der Fall ist. Ich dachte eben immer, dass die Rassisten hier die alten Leute sind, die wohl noch so erzogen worden sind. Aber meine eigenen Mitschüler? Von dem Bildungswert, den diese Aussage widerspiegelt, mal ganz zu schweigen, aber glaubte er wirklich was er da sagt?
Einige Woche später fuhren mit dem Auto durch den Town Square einer Nachbarstadt, dort liefen ein paar Mitglieder des Ku-Klux-Klans einfach öffentlich in ihren Kutten herum. Auch meine Gasteltern waren entsetzt. Ich wusste damals zwar, dass die weißen Gewänder zum Ku-Klux-Klan gehörten, aber nicht wie radikal diese „Organisation“ war. Wisst ihr, Amerikaner sagen oft Sätze wie: „Wie soll ich meinen Kindern erklären…?“, wenn sie in den Medien mit etwas konfrontiert werden, was eher kontrovers ist. Aber wie erklärst du deinen Kindern, warum auf dem Public Square deiner beschaulichen Kleinstadt, Menschen in Ku-Klux-Klan Kutte durch die Gegend laufen?
Fast jeden Tag fuhren wir an einem Haus vorbei, in dem es immer hieß, dort wohne ein alter Nazi. Irgendwann standen wir wohl dort an einer roten Ampel, sodass ich einen genaueren Blick in das Haus werfen konnte. Und da sah ich zum ersten Mal eine Hakenkreuz Fahne in der Öffentlichkeit. Wenn man sich das so überlegt, ist das tatsächlich etwas was noch die wenigsten in meinem Alter in ihrem Leben sehen werden. Sicher kennt man die Flagge aus Filmen und Büchern, aber sie wird uns nicht einfach in die Realität geworfen, wenn man gerade an einer roten Ampel wartet.
So ein „Hobby“ wird auch dort überwiegend als negativ aufgefasst, aber vermutlich ist das letzte Wort dann eher „ach, dann soll er doch.“ Das sagt niemand, wenn es um Sex oder „Fuck“ im Klassenraum geht. Toleranz an der falschen Stelle, würde ich meinen. Auch wenn der Fortschritt der letzten Jahre unübersehbar ist. Die Homo Ehe ist da, die Krankenversicherung ist da. Auf Universitäten wird erstmals offen über sexuelles Verhalten gesprochen, Gleichberechtigung und Rassismus liegen wieder auf dem Verhandlungstisch und für den privaten Besitz von Waffen könnte das letzte Jahrzehnt angebrochen sein. Und dann kam Trump.
Die politische Welt sehnt sicher nach einer Veränderung, die Wähler driften nach rechts. AFD, KPÖ, Brexit, Trump? Ich glaube zwischen einem besorgten Bürger, einem Europa-Kritischem und einem Trump Wähler liegen Welten. Aber die USA ist eben ein Land der Extreme. Es gibt mit Sicherheit ernsthaften Grund zur Sorge. Dass er die republikanische Kandidatur gewinnen würde, war für die meisten wohl schon gegeben, ich war mich sicher, dass er trotzdem nicht gegen einen Sanders oder eine Clinton ankommen könnte. Niemals. Aber heute sehe ich, wie Schulkollegen, die ich als „ganz normale junge Erwachsene“ eingestuft hätte meine Facebook mit Trumps Wahlkampf verpesten. Ich dachte, dass der alte Nazi mit der Flagge immer Fenster so einer ist, der Trump wählt. Und vielleicht die Eltern des Experten für kulturelle Ökonomie. Aber junge Erwachsene? Oder Frauen? Hat meine Schulkollegin die Fähigkeiten zu lesen, oder zu denken eingebüßt?
Die USA ist mit Sicherheit nicht so, wie viele meinen. Dort sind nicht alle verblendet, nicht jeder hat eine Waffe oder nicht jeder ist ein Rassist. Die Leute sind weder ungebildet noch grundsätzlich ignorant. Nicht alle sind prüde und finden Themen wie Sex und Aufklärung verpönt. Aber Trump hat es sich wohl Ziel gemacht, jedes dieser Vorurteile zur Wahrheit werden zu lassen.

 


Would Trump Fans Support Hitler?

How many more? Demand a plan to end gun violence

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8 Kommentare zu „Let’s talk Trump #sunnystorytelling

  1. Ein spannender Artikel von einer anderen Blickrichtung, super! Das Problem ist, dass man zu schnell verallgemeinert. Natürlich sind nicht alle Amis waffenbegeistert, genauso, wie nicht alle Deutschen Lederhosen tragen 🙂 Trotzdem finde ich die politische Entwicklung in den USA bedenklich… Wir werden sehen, was am Ende dabei herauskommt.

    Liebe Grüße,
    Missi von Himmelsblau

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    1. LIebe Missi,

      danke für deinen Kommentar. Ja Verallgemeinerung kann schnell gefährlich werden, allerdings denke ich, dass man sich eben oft nach der Mehrheit richten muss, um sich ein Bild machen zu können. Würden Lederhausen Leute töten, wäre das Problem ja trotzdem da. Verallgemeinerung hin oder her.

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    1. Liebe Charlotte! Vielen Dank für deinen Kommentar, es freut mich dass du „relaten“ kannst. Falls du noch mehr Input zu dem Thema hast, wie du den Wahlkampf zur Zeit wahrnimmst, gerade in einem Konservativen Staat wie Kentucky, würde ich mich mega freuen!.
      Kontaktdaten findest du unter „Lets Talk“, oder natürlich einfach in die Kommentare!
      Dir noch eine super Zeit und auf das du ganz viele spannende und schöne Erinnerungen sammelst!

      Gefällt 1 Person

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