Burka-Gate: Verschleiert Euch (nicht)!

Ich wollte dieses Thema nicht anschneiden. Ich wollte diesen Artikel nicht schreiben. Aber ich finde irgendwie, ich muss.

Wir sollten über das Verschleiern von Frauen sprechen. Jüngst in den Medien zusammen gefasst unter dem Denkmantel „Burka-Verbot“ oder „Burkini-Gate“. Aufhänger war ein Verbot der französischen Regierung, dass Frauen Neuerdings dazu zwing am Strand einen Bikini zutragen und keinen Ganzkörper-Burkini. Eine Grundsatzdiskussion wurde losgetreten, plötzlich lag das Thema auf dem Verhandlungstisch. Zur Klarstellung: Bei einer Burka handelt es sich um ein blaues Gewand, welches Körper, Hände, Füße, sowie das Gedicht komplett verhüllt. Über den Augen der Frauen liegt ein Gitterschleier, der die Sicht erschwert und das „hineinsehen“ ausschließt. Noch nie gesehen? Kein Wunder. Laut Heiko Maas ist das Vorkommen eines Blauwales in der Ostsee frequentierter als der das einer burkatragenden Frau in Deutschland. Wir wissen aber alle, das eigentliche Thema hinter dem „Burko-Verbot“ ist nicht die Frage nach der Burka, sondern die Frage nach der Verschleierung von Frauen in Deutschland und Europa.

Die Geschichte

Das Foto dieses Beitrages zeigt mich. Aufgenommen 2013 von meinem Vater, auf unserer Reise nach Istanbul. Um die blaue Moschee zu besichtigen muss man, selbstverständlich, den Bräuchen und Traditionen des Gastlandes folgen, die Schuhe ausziehen und ich – als Frau – musst mich verschleiern. Nicht eine Sekunde habe ich gezögert dem folge zu leisten, aber ich habe mich damals sehr geärgert, dass mein Vater dieses Foto aufgenommen hat. Auf eine seltsame Weise war ich beschämt, dass es eine Aufnahme gibt, die mich so zeigt, denn – ich werde nicht Lügen – selten zuvor habe ich mich unwohler in meiner Haut gefühlt. Das zu erklären ist schwierig. Damals war ich gerade erst 16 obwohl ich damals mein Auslandsjahr schon hinter mir hatte fühlte ich mich seltsam fremd und unverstanden auf der Welt. Nie zuvor hatte man mich gebeten oder es als gegeben hingenommen, dass für mich als Frau nicht die gleichen Regeln galten, als für meinen Vater. Mein Vater durfte seinen Kopf, seine Haare, seine Arme zeigen – ich nicht. Ich weiß von mir, in solchen Dingen ein emotionaler Mensch zu sein, daher ist es schwer zu sagen, ob es anderen wohl auch so ergangen wäre. Besserer Umgang wäre vermutlich zusagen: Das ist deren Kultur, nicht meine ob ich nun 10 Minuten ein Kopftuch trage, oder nicht – das kann mir ja einerlei sein. Aus irgendeinem Grund, hat diese Begebenheit in mir aber etwas fundamentaleres angegriffen, war ich nur schwer in Worte fassen kann, ohne jemandem auf den Schlips zu treten, was sicher nicht meine Absicht ist.

Kurz um: Es war ein seltsamer Nachmittag. Von der Sehenswürdigkeit, der Kirche, der Architektur weiß ich fast gar nichts mehr. Ich weiß nur noch, wie sich dieses Kopftuch für mich persönlich angefühlt hat und es war keine schöne Erfahrung.

Was die Regierung darf und nicht darf

Und sofern ist die Frage ob, oder ob nicht Frauen in Deutschland verschleiert rumlaufen sollten oder dürfen – sie ist gar nicht so unberechtigt. Denn fernab von Gründen der Religion und Überzeugungen bleibt eine Tatsache im Raum stehen: Diese „Sache“ gilt für Frauen, für Männer aber nicht. Kann Deutschland das tolerieren? Ich meine damit nicht die privaten Bürger, (die können erstmal tolerieren oder nicht tolerieren, was sie möchten) was ich kurz ansprechen möchte, ist die Schach-Matt Situation unserer Regierung. Man könnte argumentieren, Verschleierung widerspricht dem Grundgesetz. Verschleierung nicht zu tolerieren widerspricht der Religionsfreiheit. Frauen am Strand vorzuschreiben, wie viel oder wenig sie sich zu bedecken haben, geht meines Erachtens einige Schritte zu weit. Die französische Regierung räumt sich damit Befugnisse ein, die ihre Aufgaben in der Landesregierung lange überschritten haben. Viele sagen dann, wenn man ein Burkini Verbot von sich weist, dann kann man ein Verschleierungsverbot nicht gleichzeitig befürworten, das schließe sich aus. Ich finde aber, dass dort schon ein himmelweiter Unterschied liegt.

Was es für muslimische Frauen bedeutet ein Kopftuch zu tragen, oder nicht zu tragen – das kann und möchte ich nicht beurteilen. Was ich sehe, ist ein Frauenbild, das ihnen einprägt, dass niemand wissen soll, dass sie einen Körper haben. Das ist meines Erachtens eine ziemlich krasse Botschaft.

Gezwungen oder ungezwungen?

Letzte Woche Montag (?) bin ich in der ARD auf einem Polittalk hängen geblieben, in dem es um eben genau diesen Konflikt ging. Soweit ich mich erinnern kann, waren unter anderem CDU Politikerin Julia Klöckner und Claudia Roth von den Grünen zu Gast. Klöckner nach gewohnter CDU Manier – sachlich konservativ: In Deutschland habe man sein Gesicht nicht zu verbergen, diese Frauen sind unterdrückt und das kann Deutschland nicht gutheißen – basta. Claudia Roth hingegen müsste nach ihrem Auftritt die Ehrenmitgliedschaft bei den Linken angeboten bekommen. Diese Frauen sind weder unterdrückt noch eingeschränkt – immerhin zwingt sie (zumindest in meisten Teilen Deutschlands) niemand dazu. Wer sich aus freien Stücke verschleiert setzt damit allerhöchstens ein Zeichen dafür herumzulaufen, wie es ihm gefällt.

Das hat mich stutzig gemacht. Ich befürworte die Meinung, mit einem Verbot würde man ebenso in die Persönlichkeitsrechte von Frauen eingreifen, wie es das Kopftuch selbst vermeintlich tut. Aber, was ist denn eigentlich mit dem Zwang? Frau Roth mag recht haben, einen Ehemann oder Vater, der die Frauen zwingt ein Kopftuch zu tragen haben hoffentlich nicht allzu viele Mosleminnen in Deutschland. Könnte man dann aber argumentieren, dass sie sich quasi selbst „zwingen“? Was wäre nun schlimmer? Wenn dort ein Mensch steht, der ihnen sagt: Du darfst dich nicht zu zeigen, wie ein Mann es darf – oder wenn sie sich dies selbst einreden?

Für mich steht und fällt diese Diskussion einzig und allein an der Frage nach dem warum? Warum darf eine Frau nicht, was ein Mann darf?

Ihr seht, es ist unmöglich dabei zu einem Ergebnis zu kommen. Ich selbst kenne persönlich leider niemanden, der ein Kopftuch trägt, deswegen kann ich hier leider keine Quelle nehmen, die die andere Seite besser beleuchtet – verzeiht mir als das karge Fazit.

Ich kann nicht sagen, ob es nun richtig oder nicht richtig wäre ein Verbot auszusprechen. Ich bin sehr gespalten, über der Priorität, jeden Menschen das Tragen zu lassen, was er möchte und dem was ein Kleidungsstück ausdrückt. Jeder hat mehr als einmal gehört: Ein Kopftuch ist mehr als nur ein Kleidungsstück, es ist ein Symbol. Wofür, das kann ich nicht objektiv beurteilen, als Frau, als Feministin.

Mittwoch gibts Trump 1.3, nächsten Sonntag gehts hier weiter.

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Links, Links, Links

Die komplette Sendung von „Hart aber Fair“ mit Klöckner und Roth findet ihr hier. Absolut mega sehenswert. Nimmt auch noch viele andere Aspekte mit auf, die nichts mit Feminismus zu tun haben  😉

Mehr hab ich ehrlich gesagt nicht. Aber gerne in die Kommentare, wenn ihr noch etwas gesehen oder gelesen habt.

Jede Meinung zählt, also immer fleißig in die Tasten hauen.

Teilen ist das neue Danke sagen.

 

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2 Kommentare zu „Burka-Gate: Verschleiert Euch (nicht)!

  1. Viel interessanter als die Frage nach dem „Kopftuchzwang“ finde ich ja aber die Frage, woher sich Politiker das Recht nehmen über so ein Thema entscheiden so wollen. Es ist in unserem Grundgesetz verankert, dass in Deutschland eine Religionsfreiheit herrscht und diese schließt eben das Kopftuch bzw Burka tragen mit ein. Verbieten Sie dies nun, verbieten Sie auch in Teilen den Islam.

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    1. Hi liebe Anja, vielen Dank für deinen kommentar. Ich bin da ehrlich gesagt rein fachlich kaum im Bild, in wie weit die Burka zum islam gehört. (Das ist jetzt nicht provokativ gemeint, ich weiß es wirklich nicht:D) das ist vielleicht keine repräsentative Quelle, aber in den Kommentaren von dem Artikel wird das Thema auch angeschnitten: http://www.neon.de/artikel/sehen/politik/kopftuch/676294
      Allerdings stimme ich dir zu, dass Politiker da weniger „Meinungsfreiheit“ oder Interpretationsspielraum haben als die privaten Bürger oder die Anhänger einer Religion.
      LG, sunny

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