Die Welt, wie sie uns gefällt

Meine Damen und Herren,

 

Qualitätsmanagement.

Ich habe in den letzten Wochen ein paar Dinge im Netz beobachtet, die als Gesamtes eine ganz interessante Entwicklung ausmachen. Das fing an mit YouTube’s neuen Werberichtlinien. Ganz recht, denn die YouTube Party ist over. Videos, die vulgäre Sprache, Gewalt, Sexualität oder auch nur kontroverse, politische oder extreme Themen oder Lebensweisen beinhalten, können in Zukunft nicht mehr beworben werden. Das heißt im Klartext: Künstler machen damit kein Geld mehr. Das finde ich per se erstmal gar nicht verkehrt, immerhin muss nicht jeder im Netz mit seiner Gehirnkotze auch noch Geld verdienen. Aktionen wie Gay-Pranks und der Gleichen sind dann plötzlich viel weniger lustig. Auf der anderen Seite muss man natürlich beleuchten, was diese neuen Richtlinien denn jetzt genau regulieren. Geht man die Liste so mal durch, gibt es nur wenige Themen die nichts durch das Raster fallen: Katzen, Schminke, vegane Ernährung (unter Umständen) und eventuell noch Vlogs in denen halt nicht wirklich geredet wird. Klingt nach Einheitsbrei, den ja niemand im Netz haben möchte. Im Umkehrschluss wären solche YouTuber, die von den neuen Richtlinien als Werbeträger ausgeschlossen werden dann gezwungen auf noch mehr Produktplatzierungen, gekaufte Meinung und der gleichen zurück zu greifen, damit das Konto voll bleibt. Das trägt dann mit Sicherheit auch nicht zu mehr Qualität auf YouTube bei. LeFloid hat das ganz gut auf den Punkt gebracht, ich verlinke Euch das Video unten.

Was versucht YouTube zu erreichen? Wie soll das perfekte YouTube, das perfekte Facebook, das perfekte Instagram aussehen? Weniger Meinung = weniger Hass? Weniger alternative Lebensformen = weniger schlechte Vorbilder? Am Rande könnte man den Eindruck kriegen, dass diese Maßnahmen ein Glied in einer Kette ist, die dazu dient sich ein für alle Mal dem schlechten Content, dem Spam, den Trolls und dem Hass im Netz zu entledigen. Nach jahrelangem, kollektiven Schulterzucken von Facebook & Co. Hat YouTube einen Lösungsansatz vorgestellt, der ein Problem zwar anpackt, aber völlig übers Ziel hinausschießt. Vielleicht steckt dahinter die Hoffnung, das Creator ihren Content selbstständig und stetig an die Wunschvorstellung des Unternehmen anpassen, wann der Goldesel im Keller bleibt. Das wäre das Nonplusultra für YouTube: Sie sind nicht wirklich die Buh-Männer, die zensieren nichts und verbieten nichts. Sie lassen die Creator sich selbst sabotieren, während sie sich dann im Glanz ihrer makellosen Plattform sonnen. Das könnte funktionieren, aber wollen wir das? Sicher wäre es kein Elend ein bisschen weniger von dem „Schlechten“ und „Dummen“ sehen zu müssen, aber wer hat eigentlich entschieden, was ins Internet gehört und was nicht?

Über den Hass als Solchen

Hass ist hass. Jemand, der unqualifiziert seine Anti-Kommentare in jedes zur Verfügung stehende Textfeld tippt ist halt der Abschaum der Webcommunity. Hass ist nicht egal. Das Familienministerium, hat zusammen mit den üblichen Verdächtigen die Kampagne #nichtegal ins Leben gerufen. Weil Hass nicht egal ist, sollen Viewer dazu aufgerufen werden bei Sichten von Hasskommentaren das Hashtag #nichtegal zu posten. Typisch Bundesbehörde eben: Gut gedacht, schlecht gemacht.

Eigentliche Viralität hat die Kampagne nur durch ihr Kontervideo #nichteuerernst erreicht. Dort sieht man die Ausschnitte der YouTuber und direkt danach ein paar Zitate, wie die Damen und Herren sich denn selbst so im Netz äußern. Kurzum: „Hauptsache mit dem Finger auf andere Zeigen.“ Ich finde aber, so einfach ist das aber nicht. Da sieht man eben einen BullShit TV Chris, wie er Leute auf Twitter beleidigt. Das ist aber eben auch eine Persönlichkeit, die damit kokettiert ein Großmaul zu sein, sollte ihm der Mund nun verboten werden? Da sieht man eine Dagi Bee, die Fans sagt, sie sollen erst mal selbst was erreichen, bevor sie ihr Maul aufreißen. Zwar nicht die feine Art, aber auch kein schlechter Punkt, steht es ihr nicht frei, diese Meinung zu äußern? Auf der einen Seite, sind immer alle angekotzt, wenn sie ihren minderjährigen Geldgebern immer weiter ins Gehirn steigt, aber Conta möchten wir bitte auch nicht sehen. Hass ist nicht immer Hass. Kann man alles zensieren? Sollte man alles zensieren?

Man darf an dieser Stelle nicht vergessen, welchem Zweck das Internet dient: Dem Austausch.  Mitmenschen beleidigen? Setzen, 6! Rassistische Kommentare? Setzen, 6! Sexismus? Setzen, 6! Und der Rest? Sind die Flüchtlinge nun schuld oder nicht? Muss Merkel weg? Sollten Homosexuelle heiraten? Darf man Trump unterstützen? Darf man dagegen sein? Das wird man doch wohl noch sagen dürfen, oder nicht?

Sind wir zu pingelig, oder immer noch zu nachsichtig?

Zensieren wir unser Internet kaputt?

Leuten, die sagen, sie können die dummen Leute auf Facebook nicht ertragen, entgegne ich gerne Folgendes: Die schlechte Nachricht ist, das was du hier bemängelst, bildet ab, wie die Menschen nun mal sind. In einem grandiosen Artikel auf ze.tt (verlinke ich natürlich auch unten) wird daran erinnert, dass man nicht immer alles direkt löschen, wegsperren, ausschließen darf, nur weil einem nicht passt was hier gesagt wird. Wer jeden und alles aus seinem Social Media verbannt, was nicht den eigenen Vorstellungen und Werten entspricht tötet damit die Gesprächskultur. Er unterbindet damit eine Schönheit des Internets: Menschen begegnen sich.

Ich muss ja wohl noch Fragen dürfen: Sind es nun schlechte Manieren, sich im Netz abfällig über Menschen zu äußern? Oder jedem die stille Ecke zu weisen, der überhaupt etwas sagt, was nicht dem eigenen Gusto entspricht. Vielleicht hat das Internet die Hass-Stimmen nicht lauter gemacht, sondern uns einfach nur sensitiver.

In kein Fall möchte ich gutheißen, wie Facebook & Co selber mit der Moderation ihrer Inhalte umgehen. Diese ganze keine Brüste, aber Waffen sind okay – Politik ist sicher nicht in meinem Sinne, aber muss ach betont werden, dass nicht immer nur die Anbieter in der Pflicht sind. Ich rede hier nicht von Cyber-Mobbing oder direkte Attacken. Es geht hier um Meinung, um Stimmen, um Begegnung, um die Frage, was man eigentlich noch sagen darf, und was nicht.

Das soll es für heute gewesen sein. Wie immer gilt: jede Meinung zählt, haut in die Tasten! Folgen ist das neue Danke sagen! (F/I/T). Auf sunnyonpolitics geht es jeden Mittwoch um politische Themen – nicht in schwarz weiß, sondern in Farbe. Gefärbt von Eurer Meinung, gefärbt von meiner Meinung.

Nächste Woche ist Pause – sorry. Daher, bis in 2 Wochen,

sign

Hier noch die Links:

 

LeFloid zu #Facebookgate

Bundesinitiative #nichtegal

Konter dazu: #nichteuerernst

Super ze.tt Artikel zum Thema Blockieren, Hater und Gesprächskultur- U N B E D I N G T lesen!

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3 Kommentare zu „Die Welt, wie sie uns gefällt

  1. Huhu…

    Also für YouTube konnte ich mich noch nie begeistern..
    Das geht an mir eigentlich nur so vorbei. Vor 4-5 Jahren habe ich vielleicht mal das eine oder andere Video gesehen von Blogger, aber ansonsten finde ich das für mich recht uninteressant. Allerdings finde ich deinen Bericht ganz interessant und klärt über einiges auf.

    Das man vieles im Internet nicht zeigen darf finde ich okay.
    Hierbei denke ich wohl an erste Linie als Mama. Den ich möchte nicht, dass mein Kind alles sieht.

    Alles liebe

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    1. Liebe Nicole,
      danke für deinen Beitrag, der wirft eine sehr interessante SIchtweise auf: Sicher ist es verständlich, dass Kinder – besonders im jungen Alter – vor negativem Einfluss geschützt werden sollen und müssen. Aber was ist mit den „älteren“? Ist es dann besser, Dinge vorzuenthalten, wenn diese (manchmal auch nur objektiv betrachtet) einen schlechten Einfluss darstellen, oder sollte man lieber die Konfrontation suchen, auch mit Themen die Fragen aufwerfen und unbequem sind? Ich frage das wirklich ohne Wertung!
      Kontroverse hat es dazu ja schon genug gegeben. BEsonders bei Kids, die Prank Videos nachäffen und sich oder ihr Umfeld dabei sogar ernsthaft verletzen. Sollte man dort die Bereitsteller oder Creator des Contents zur Verantwortung ziehen, oder sogar die Eltern oder Lehrer?

      Gefällt mir

  2. Moinsen,
    Ich finde die Regulierungen von Youtube einen großen Schritt in die richtige Richtung. Nicht, dass Sie damit viel gegen Rassismus oder Hass im Netz erreichen können. Den wird es immer geben. Trotzdem werden mit dieser Aktion monetarisierten Channels endlich mal Grenzen aufgezeit, Youtube hat dort viel zu Lange die Füße stillgehalten, finde ich. Vielleicht sehen wir in Zukunft keine Tittenthumbnails oder Beef/“Realtalk“-Videos mehr auf der Startseite, wäre doch super. Das Privileg (Vor 10 Jahren auf Youtube undenkbar) mit Content Geld zu verdienen sollte auch mit einem gewissen Qualitätsanspruch einher gehen. Wenn dieser nicht gegeben ist, sondern lieber mit allen Möglichkeiten versucht wird, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, kann Youtube gerne den Geldhahn zudrehen. Meiner Meinung nach völlig legitim, erst Recht, wenn man es aus der Sicht der Werbetreibenden sieht: Wer möchte sein Produkt schon vor solchen Videos bewerben. Youtube ist nunmal eine komerzielle Plattform und kann so auch seine Ansprüche an Qualität geltend machen. Mit Zensur hat das wenig zu tun. Hass/Meinung auf Youtube wird es weiterhin geben, aber es wird der Anreiz genommen, solchen Content mit dem Hintergedanken an die Werbeeinnahmen durch die große Aufmerksamkeit solcher Videos zu produzieren.

    Eine weitere Interessante Entwicklung zu den Thema Zensur (Oder nennen wir es lieber Greenwashing) von Hass und Rassismus im Netz findet man in diesem Artikel: https://ageofshitlords.com/4chan-pol-launching-operation-google/

    Fazit: Zensur ist weder Möglich noch zielführend. Internet ist eben das Internet.

    Liebe Grüße

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