Weniger ist Mehr – Warum Minimalismus der neue Kaufrausch ist

 

Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen, es war 2011, da hielt ich meine erste Vogue in Händen. Meine Mutter hatte sie mir für den Flug in die USA geschenkt. Zweifelsohne nicht mehr als die nette Geste im Sinn, hat sie bis heute keine Ahnung, dass ich damals einen Artikel dort las, der mich bis zum heutigen Tage nicht mehr loslässt. Es ging um Habseligkeiten. Darum, was das Haben mit dem Seligsein zu tun hat. Und ich möchte ja ungern zu viel vorwegnehmen, aber die Vogue nahm es damals halt als gottgegeben hin, dass es die Menschheit eben glücklich mache schöne Dinge zu besitzen, oder eben Dinge, die auf die ein oder andere Art besonders sind.

Auch meine Gastmutter verargumentierte ihre Sucht nach Deko und Kitsch mit der Tatsache, dass man ja nur so kurz auf der Welt sei und man sich die Dinge daher so schön wie möglich machen solle. Dieser Stimme ich in Gänze zu, allerdings ein klassischer Fall von gut gedacht und schlecht gemacht.

Sowohl die Vogue, als auch meine Gastmutter geben sich damit vielleicht einer Illusion hin, die so alt ist, wie die Menschheit selbst: Die Kaiser im griechischen, im römischen Reich, Könige und Päpste, Bischöfe und sonstiger Adel, die Neureichen Start-Up Juppies und die Kardashians dieser Welt, belasten sich alle mit einem Entwurf des Glücks, der sich fast immer als Mythos herausgestellt hat: Besitz.

Warum lernen wir nicht dazu?

Heute wissen wir aber, dass die einfachen Leute im Ort, die armen Studenten und die Leute jenseits des VIP Bereichs, die besten Partys feiern, am meisten Spaß haben. Wir wissen, dass die Könige und Popstars, meist armselige, alte Lustmolche waren, die man letztlich mit der Spritz im Arm, oder dem Schwert zwischen den Rippen tot auf dem Badezimmerboden aufgelesen hatte. All die Juwelen, das Gold und Geschmeide, die Autos und die Frauen, es hatte ihnen nichts genützt. Trotzdem ist unser Konsumverhalten, immer noch sehr eindeutig definiert: Wir empfinden als schön, was teuer und exklusiv ist. Und ja, einen Pullover von Dolce & Gabbana zu tragen macht uns zufriedener, als einer von H&M. In Punkto Mode könnte man nun eine Diskussion zum Thema Kunstgüter und Geschmäcker starten, geht um Autos, sollte man über Qualität und Spaß reden, aber die Tatsache bleibt: Luxus ist nicht tot. Im Gegenteil – der Wunsch nach qualitativ hochwertigen Produkten und Prestige-Marken ist mit den Millennials wieder größer geworden. Man gibt lieber mehr Geld für etwas Gutes aus, denn wahr bleibt: Wer billig kauft, kauft zweimal.

Auch ist der Besitz von Dingen ja generell verpönt: Niemand möchte mehr eine Sammlung voller CDs, wenn er alle Inhalte von Spotify bereit bestellt bekommt. Niemand möchte mehr ein Auto in der Auffahrt stehen haben, das getankt und versichert werden muss, wenn Car2Go an jeder Ecke eines zum Ausleihen hingestellt hat.

Diese kleinen, aber feinen Trends befassen sich dann oft mit den großen Dingen: Den Anschaffungen, die man nicht ständig tätigt, denen, für die dann auch oft gar kein Geld da ist. Doch es sind ja bekanntermaßen die kleinen Dinge, die die größten Probleme bereiten.

Ich hasse Kram

Es sind die weißen Tshirts, die Nudelpakete, die Duschgels, die Pfandflaschen, die mir und vielen anderen das wirkliche Kopfzerbrechen bereiten. Eine Gesellschaft, die an so vielen Punkten ihres Lebens permanent übersättigt wird, möchte keinen ganzen Berg voll Dinge zu Hause in den Schränken haben. Es ist das dann wunderbar befreiend, so richtig auszusortieren und nur noch ein Reserveshampoo, eine Packung Pflaster und 3 Nagellacke im Schrank zu haben. Verzicht ist oft viel schöner, als der Kaufrausch. Wirklich nur die Dinge zu kaufen, die man echt und ehrlich braucht schafft ein neues Gleichgewicht zwischen den zwei Wahrheiten des Konsums: Kaufen und auswählen macht Spaß, ist besonders und wichtig und – es ist schön, nicht immer nur ans Kaufen zu denken. Für mich hat sich besonders das Einschrumpfen meiner Garderobe als echte Erleichterung herausgestellt. Denn nicht immer die Wahl zu haben, kann super und entspannt sein. Den Überblick zu haben, über das, was man besitzt und vor allem, nur zu besitzen was man wirklich schätzt, ist immer besser als hilflos in der Masse unterzugehen

Der Trend

Und ja, all das ist auch in mir nicht völlig uninspiriert entstanden: Es gibt tausende YouTube und Blogger, die teilen, wie Verzicht glücklich macht. Und oft sind das auch eben jene, die sogar die finanziellen Mittel hätten um sich den Konsum zur Lebenseinstellung zu machen. Die besitzen dann oft nur eine Kiste voll Dinge auf der Welt. Das finde ich befremdlich und beeindruckend im selben Maße. Das heißt nicht, dass das für alle der richtige Weg ist. Aber es eine schöne Erinnerung daran, dass es nicht ausschlaggebend für Glück und Erfolg ist, was man besitzt.

So muss ich mich selber oft daran erinnern, dass die besten Dinge im Leben, keine Dinge sind – zum Beispiel, wenn ich auf mein Konto gucke. Wer hat noch nie einen Blick ins Portemonnaie geworfen, und sich gefragt: „Wo ist nur mein ganzes Geld geblieben, ich habe doch gar nichts gekauft!“. Es sind dann meistens, die Wegbiere, die Kaugummis, das Take-Out, der Club-Eintritt und die Labellos vom DM die das Geld auffressen, was man ja eigentlich gar nicht ausgegeben hat. Aber oft, sind diese Ausgaben dann mit der Tatsache verknüpft, dass ich eben unterwegs und beschäftigt war. Mit Leuten zusammen, oder eben in meiner eigenen Welt, in der es wichtige Dinge zu besorgen gab, als ein neues Tshirt.

Heute keine Links, das waren einfach nur meine reinen, ungefilterten Gedanken zu diesem Thema.

Bis Mittwoch auf sunnyonpoltics,

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