Verschwendet Eure Zeit #sunnystorytelling

 

Mein Lieblingsfilm ist American Beauty. Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Film gesehen habe, aber es waren bestimmt allein schon 2-3 Mal im letzten halben Jahr. Mal auf Englisch, mal auf Deutsch mal, weil ich einen guten, mal, weil ich einen schlechten Tag hatte. Die Idee von der Schönheit die einem dort vermittelt wird, schlägt mich jedes Mals aufs Neue mit ihrer Eindringlichkeit und ihrer Wahrheit. Zweieinhalbstunden meines Lebens, die ich für diesen Film hergebe – und zwar regelmäßig.

Manchmal drehe ich mich auch im Bett morgens noch mal um und schlafe noch 20 Minuten einen unruhigen Dämmerschlaf, der mich weder ausgeschlafener noch entspannter macht. Manchmal lese ich die Tageszeitung an einem Sonntag zweimal durch, einfach aus Langeweile. Manchmal, dauert es mir zu lange 7 Minuten an der Haltestelle zu stehen und zu warten, bis die U-Bahn kommt. Dann laufe ich ein, oder zwei Haltestellen vor um mir die Zeit zu vertreiben. Manchmal tippe ich selbst auf der kurzen Busfahrt ins Büro schon die ersten E-Mails in mein Handy. Manchmal fahre ich auch mit dem Auto, nur um abends nicht mit dem Bus im Stau stehen zu müssen. Aber manchmal habe ich auch nach 2 Kilometern keine Lust mehr aufs joggen. Dann lege ich mich einfach auf das Sonnendeck am See im Volksgarten, obwohl es Winter ist und dunkel und kalt und gucke mir einfach den pechschwarzen Himmel an, durch. Donnerstag kam dann ein Typ vorbei und fragte direkt ob es alles in Ordnung sei. Sicher, ich vertreibe mir nur 10 Minuten damit, in den Himmel zu starren. Vielleicht hat der Typ mich im Moment darauf schon wieder vergessen gehabt, vielleicht fragte er sich auch: Warum liegt sie da? Warum wollte sie nicht weiterlaufen? Ist etwas passiert? Hat sie zu viel Zeit? Manchmal suche ich auf einem kurzen Flug nach Berlin händeringend nach Beschäftigung, finde es furchtbar und lähmend eine Stunde dort sitzen zu müssen und zu warten, bis wir endlich landen. Manchmal wünsche ich mir nichts mehr als eine Stunde der notgedrungenen Untätigkeit.

Über nichts denke ich so viel nach wie über Zeit. Warum sie manchmal schnell und aufrührerisch, manchmal zäh und elend ist. Nie ist sie auf meiner Seite. Entweder sie quält mich mit Langatmigkeit und sie straft mich mit rasender Schnelle.

Das Ticken

Auf die ein oder andere Weise tickt doch ständig eine Uhr in unserem Kopf. Wann ist Feierabend? Wochenende? Urlaub? Das nächste Date? Das letzte Date? Wann habe ich mal Zeit für mich? Zeit für Dich? Was fange ich mit Freizeit an? Kann man Zeit verschwenden? Kann man sie zurückholen?

Mit dem Führen eines Lebens, was einigermaßen durch getaktet ist, habe wir uns eine Verantwortung auferlegt, die fast nicht zu stemmen ist. Denn wenn es um das Richtige oder Falsche Nutzen von Zeit gibt, dann gibt es kein Geheimrezept, dass an dem einen, wie an dem nächsten Tag noch gültig ist. Beschäftigt werden wir immer sein und das rund um die Uhr. Irgendetwas wird immer da sein, was uns unsere Zeit raubt. Etwas, dass uns dazu bringt, sie dort zu geben, wo sie uns als Mensch eigentlich gar nichts nützt. Überstunden, Warten an der Kasse, Gucken des immer gleichen Films.

Haben wir damit unsere Zeit verschwendet? Wahrscheinlich ja. Aber ich muss mich dann oft fragen, ob das wirklich der springende Punkt ist. Ob es richtig ist, sich deswegen zu ärgern. Ob das wahre Glück wirklich dort wartet, wo wir lernen Zeit richtig zu nutzen, Wichtig an dieser Stelle ist nämlich nicht immer, wo wir unsere Zeit verbringen und womit, sondern wo unsere Gedanken sind. Die Zeit im Geiste, würde das dann vermutlich heißen.

Ich kann Überstunden machen, wie ich will. American Beauty diesen Monat noch dreimal gucken, an der Kasse Schlange stehen und über den Stau auf der A3 fluchen. Wenn meine Gedanken währenddessen, bei mir, bei dir, bei meiner Kreativität, bei meiner Inspiration sind, habe ich dann überhaupt nur eine Sekunde verschwendet? Wenn ich diesen Gedanken dann zu Ende denke, würde das Folgendes bedeuten: Der Gram über die geraubte Zeit verfliegt dann, wenn wir uns dazu entscheiden uns sie nicht mehr rauben zulassen. Einfach, oder?

Jetzt wird es komplizierter: Was ist mit den Dingen, die wir tatsächlich machen wollen? Wo wir geistig und physisch anwesend sein müssen. Die Dinge, die uns mehr abverlangen als das bloße Dranglauben?

Hier kommt der Stress her

Für mich ist genau das die Wurzel allen Übels. Ich kann nicht Sport, weil ich arbeite. Ich kann nicht Frühstücken, weil ich verabredet bin. Ich kann nicht den Film zu Ende sehen, weil ich zu müde bin. Die Wut, die man hier spürt ist vielleicht die Oberflächlichkeit der Psyche. Eine Trotzreaktion auf die einfache Tatsache, dass das Leben eben kein Wunschkonzert ist. Und schlimmer noch, diese Wut ist vermutlich sogar das, was in unseren Köpfen Stress produziert. Mit Zeit zu hadern, ändern zu wollen, was nicht zu ändern ist, sich an Orte zu wünschen, an denen man nicht sein kann, das macht uns zu unglücklicheren Menschen. Und der einzige Weg dagegen, der einzige Weg um Stress wirklich und ehrlich abzubauen ist dieses Muster zu durchbrechen. Verschwendet doch einfach mal eure Zeit.

Dann bleib ich halt mal länger liegen, dann guck ich mir halt den schwarzen Himmel an. Dann bin ich an der Kasse halt mit Tagträumen beschäftigt, dann nehme ich die Überstunden einfach hin. Und vielleicht, sehe ich mir morgen noch mal American Beauty an, obwohl ich so viele Dinge zu tun habe, die eigentlich gar nicht warten können. Bis die Zeit wieder langsam läuft und ich gar nicht weiß, was ich tun kann, bis der Tag endlich vorbei ist.

Habt einen guten Start in die neue Woche. S.

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3 Kommentare zu „Verschwendet Eure Zeit #sunnystorytelling

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