#9 Money Talk

 

Redet doch mal über Geld

Ich saß heute beim Ikea, nippte meinen überfancy klingenden Nana Kräuter-Minz Mischung Tee und sprach über ein Thema, so als wie die Menschheit selbst. Es ging um Geld. Und Aufhänger war natürlich die eine Sache, mit Geld immer kollidiert: Die Liebe. Wer in Menschen höheren Alters(-klassen) dated, wird unweigerlich auch feststellen, dass er mit recht großer Wahrscheinlichkeit auch Menschen anderer Einkommensklasse dated. Das ist nicht so unromantisch, wie es klingt, aber einfach eine Tatsache die – da bin ich mir sicher – so mancher Beziehung an den Kragen geht. Denn besonders bei Menschen dies- und jenseits der dreißig kann man die Unterschiede nicht ignorieren, die das Einkommen mit sich bringt.

Was wir verdienen definiert, wie wir leben. Was wir tragen, wen wir treffen, was wir essen, wohin wir gehen, was wir fahren, wie wir uns einrichten, wie wir die Welt sehen. Wer behauptet Geld sei in Zwischenmenschlichen Beziehungen egal, der lügt. Ganz einfach. Lasst doch mal euren Tag Revue passieren. Als ihr den Wecker auf eurem Handy ausgemacht habt, Frühstück aus dem Kühlschrank geholt habt, Klamotten gesucht, in euren Schuhen die Straße entlanggelaufen seid, in die U-Bahn gestiegen seid und Kaffee aus Pappbechern getrunken habt – jedes Mal höre ich da Ching Ching. Alles war ihr besitzt, konsumiert, anfasst, anseht, benutzt und verbraucht, auf allem steht ein Preis. Und wenn sich dieser Preis relativiert, dann verändert sich dein Leben. Wenn sich der Kaffee für dich wie ein Schluckwasser, für deinen Partner aber wie eine Flasche Wein anfühlt, dann ist es sicher nicht einfach in der echten Welt auf einen Nenner zu kommen.

Vor einigen Monaten habe ich eine Reportage in der Neon gelesen, die mit dem Tabu dieses leidigen Themas brach. Alle geben zwar fleißig Geld aus, aber niemand verrät woher dieses Geld kommt, wieviel und warum er auf den Verkaufstheken dieser Welt lässt. In dieser Reportage haben junge Menschen ausgepackt, was sie verdienen und wieviel sie im Monat wofür ausgeben. Ich habe mich dann dabei ertappt, schon mit dem ersten Satz meine Analyse Brille auszusetzen und im Geiste meine eigenen Kontoauszüge neben die Zeilen dieser wunderbaren Zeitung hielt.

Bin ich normal? Messe ich Geld zu viel Bedeutung zu? Werfe ich zu viel Geld zum Fenster raus? Ich habe ein sehr angespanntes Verhältnis zum Thema Geld. Ich glaube ich wurde in dieser Beziehung zu übervorsichtig erzogen, was die Nummer auf meinem Konto zu einem Dauerproblem macht, wo eigentlich garkeines ist. Da passiert es schnell, dass ich mir ein schlechtes Gewissen einrede, wenn das Bargeld in meinem Portemonnaie wieder weg ist und ich nicht so recht weiß wo es geblieben ist.

Das Geld ist meinem Portemonnaie ist dabei in der Regel Trinkgeld vom Kellnern und tut meinem Konto nicht mal weh. Eigentlich verdiene ich mit Nebenjob auch eigentlich mehr als genug um über die Runden zu kommen und mir auch etwas leisten zu können. Was mir viel mehr Kopfzerbrechen bereitet ist nicht die Quantität sondern die Qualität des Geldausgebens. Wenn das Geld weg ist und ich nichts dafür in Händen halte, wo ist es dann gelandet? In Cafes und Bar und Kneipen. In Supermärkten und beim DM, bei Mittagessen mit den Kollegen und Abendessen vom Take-Out. In meinem Autotank und meinen Freundschaften, in meinen Hobbys und in Netflix, Spotify und bei FItX. All diese Dinge, dir mir zwar keinen materiellen Mehrwert bringen sind mit Abstand die größten Geldschlucker meines Lebens. Die verarmten Babyboomer würden vom Verprassen reden, aber ich frage mich dann, brauche ich wirklich noch ein Shirt, noch ein Kissen, noch ein paar Schuhe, wenn ich dafür einen Kater und ein Sixpack unter meinem Bauchspeck haben kann? Vermutlich nicht.

Dieses Geld landet in meinem Leben. Es landet in meinem Zuhause und meinen Ritualen. Es verwandelt sich in etwas Wunderbares und Schönes, in etwas, was nur ich verstehen und von dem nur ich profitieren kann. Aber schließlich bin ich es ja auch, die es verdient hat.  Geld ist wie jede andere Privatangelegenheit erschreckend oft Thema bei allen Menschen, die es gar nichts angeht. Denn irgendwie ist es uns in die Wiege gelegt direkt die Analyse Brille aufzusetzen, wenn es um das Vermögen der anderen geht. Denn letztlich ist es nicht Geld, was uns trennt und eint, sondern das Leben, was wir führen, die Dinge die wir tun und lieben und wie sehr wir diese Dinge vom Geld abhängig machen.

 

Den Neon Artikel findet ihr in Ausgabe 07/2016.

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