#11 Rasenmäher gegen Sexismus

Politikwoch: Lohnausgleich, Editionf und ein neuer Shitstorm

 

In alter Tradition werde ich den Mittwoch wieder nutzen um mich ein bisschen um die Politik zu kümmern. Denn wer es noch nicht wusste, der weiß es jetzt: Auf sunnyonpolitics gibt es Zeitweise immer längere Serien zu verschiedenen Themen, zuletzt über Donald Trump und die erscheinen immer am Mittwoch. Grund genug den Politikwoch zurück zu holen und wieder mehr #Politikinfarbe zurück zu bringen. Wie der Zufall es so will, kam auch gerade ein Thema herein geflattert, das wie gemacht ist für diesen Anlass: Rasenmäher gegen Sexismus. Vorab: Wenn ich diese Angelegenheit falsch verstanden habe, bitte lasst es mich wissen – Aber fange mal am Anfang an:

Nach gut einem Jahr hat die GroKu ihre Hände wieder im Schoß gefaltet und beschämend zu Boden blickend einen Gesetzesentwurf der SPD durchgewinkt: Es geht um Lohngerechtigkeit. Während Manuela  Schwesig, übrigens unsere Familienministerin, sich im Siegestaumel ein Glas Rioja oder veganen Kräutertee einschenkt, hat Twitter inzwischen sein Übriges getan und das umstrittene Gesetz gleich nach hoch niveauvoller Internetmarnier in die Mangel genommen.

Dieses Gesetz sieht vor in Unternehmen ab 200 Mitarbeitern Gehälter von Männern und Frauen offenzulegen. Frauen können verlangen zu erfahren, was ihre männlichen Kollegen in gleichen oder gleichwertigen Positionen verdienen. Damit öffnet die SPD eine Büchse der Pandora, die in der wirtschaftlichen Welt der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gehütet wird, wie der Stein der Weisen bei Gringotts. Denn Gehälter sind nicht nur Privatangelegenheit, sondern auch so sensibel besprochen, dass man meinen könne, es sei illegal Geld zu verdienen.

Hauptkritikpunkt an diesem Gesetz ist ein bürokratischer Aufwand, der dem Zweck nicht gerecht wird, ich halte das aber für ziemlich vorgeschoben. Von dem, was ich von diesem Gesetz verstanden habe, mutmaße ich, dass sich kein Unternehmen der Welt um Bürokratie sorgen muss, da keine Arbeitnehmerin der Welt hingehen wird und zu erfahren sucht, was ihr Arbeitskollege so verdient. Denn wie ich bereits erwähnte ist das zum einen extrem unhöflich und geht auch mit einer gewissen Unprofessionalität einher, die Frauen wieder in eine Rolle katapultiert, in der sie jedem Arbeitgeber der Unfairness bezichtigen. Ich glaube Worte wie „Gezeter“ können in diesem Zusammenhang auch fallen. Und abgesehen davon: Nur, weil sie wissen, dass sie weniger verdienen heißt das ja auch noch lange nicht, dass ihr Gehalt am Ende aufgestockt wird.

Auch als leidenschaftliche Feministin bin ich in Punkto Lohnausgleich und Frauenquote immer der Meinung, dass es mehr Sinn macht den Ursprung des Problems zu bekämpfen, als einfach nur die an den Hörnern zu packen, die Opfer eines verkehrten Weltbilds sind. Soviel also zu meiner Kritik an diesem Gesetz. Wie ich oft zu urteilen pflege und für Bundeseinrichtungen leider typisch: Gut gemacht, aber schlecht gemacht.

Aber Kritik ist ja nicht immer gleich Kritik, denn auf Twitter hat sich nun noch ein Lager zu Wort gemeldet, was ich nicht so recht verstehe. Das ist, was ich verstanden habe:

Offensichtlich wurde (wahrscheinlich) das neue Gesetz zum Anlass genommen um die Redakteurin des Magazin editionf Teresa Bücker zu attackieren, hauptsächlich von einem Twitter-Account, der da heißt: Diplomrasenmäher. Aus was für einer Ecke dieser Mensch eigentlich kommt und was ihm zum Twitterrum verhalf ist wirklich nicht einfach zusagen. Wir wissen zum Beispiel das hier:

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Und wir wissen, dass unser Rasenmäher dann anfing bei Teresa Bücker Unruhe zu stiften und wir wissen, dass daraus dann der Hashtag #RasenmähergegenSexismus entstand. Und außerdem wissen wir, dass dieser Hashtag gut am trenden ist, noch vor der Elbphilarmonie und vor #FarwellObama.

Ob nun aber wirklich das neue Gesetz oder etwas anderes der Anlass war, das wissen wir nicht genau. Die Ergebnisse meiner Recherche sagen folgendes: Editionf bringt einen Artikel zum Einjährigen der Frauenquote raus. Rasenmäher kommentiert, Bücker antwortet:

 

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Und so nehmen die Dinge ihren Lauf. Später wird im Netz dann geschrieben, Schwesig’s Gesetz sei der Anlass, später wird auch viel gegen den Lohnausgleich gehetzt. Aber um zum Punkt zu kommen:

Im Großen und Ganzen geht es meines Erachtens um extrem verwirrte Internetsuser, die nicht wissen ob sie nun eigentlich gegen übertriebene „Feminnazis“ sind, oder gegen die Frauenquote, gegen den Lohnausgleich, gegen des Gendern oder gegen die Elbphilarmonie als Top 1 Gesprächsthema. Aber irgendwie sind sie gegen etwas, das mit Feminismus zu tun hat.

Ich für meinen Teil, kann mich nicht wirklich über die Angelegenheit aufregen. Immerhin habe ich selbst schon eine knappe Stunde gebraucht um bei dem Hashtag ein bisschen durchzusteigen, daher gehe ich nicht davon aus, dass er in der Lage ist ehrliche Hetze im Netz zu verbreiten und abgesehen davon, habe ich auch von Bücker keine wirkliche Meinung. Oder was meint ihr?

 

Hier gibt die Meldung zum Lohnausgleichsgesetz

Hier eine kurze Zusammenfassung zum #RasenmähergegenSexismus in der auch die Vermutung auftaucht, das neue Gesetz ist Anlass für den Shitstorm

Hier der Artikel von Editionf zur Frauenquote

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5 Kommentare zu „#11 Rasenmäher gegen Sexismus

  1. Es gibt ja schon so viele Studien die den gender pay gap runterrechnen, bereinigt liegt er unter 2%
    Und wer ihn als Frau vermeiden will, der kann in den Osten ziehen, einige Städte dort haben bereits einen gender pay gap zugunsten von Frauen, also die Frauen verdienen mehr.

    Am größten ist der gender pay gap in Städten mit großen Firmen, in denen qualifizierte Mitarbeiter im drei Schicht Prinzip arbeiten, zu sehr guten Löhnen, was aber wenige Frauen machen.

    Wird daran lohntransparenz etwas ändern? Eher nicht, die meisten Leute in diesen großen Firmen die den gender pay gap verursachen arbeiten eh mit Tarifvertrag.

    Dagegen spricht auch die Erfahrung aus Ländern, die ähnliches bereits haben und bei denen es nichts gebracht hat, zB Österreich

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Christian, danke für den interessanten Input. Finde es sehr interessant, dass es im Osten anscheinend „Besser“ läuft, woran dann aber auch sicher nicht Lohntransparent, oder irgendein anderes Gesetz sein übriges tut.
      Bis bald, S

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