#15 Dein Herz auf Instagram

So wie sich die Woche zum Ende neigt, so sehr freue ich mich, nach einigen Tagen der Themenlosigkeit, wieder eine lange Liste auf dem Tisch liegen zu haben. Wie kommt sowas? Es ist eigentlich ganz logisch, dass mit steigendem Konsum auch steigender Output einhergeht. Ich habe viel gelesen, mich mit vielen Leuten getroffen, viel geredet, viel beobachtet, viel kennengelernt und viel nachgedacht. Und keines dieser Themen auf der Liste, wird es heute werden, denn heute Morgen passierte etwas anderes, Unerwartetes.

Alle Jubeljahre kommt man unverhofft mit jemandem ins Gespräch, den man nicht kennt, noch nie gesehen hat und dennoch, oder eben genau deswegen wird man überrascht. Es war einfach eine schlichte Frage im Instagram Chat, aus der ein ganzes Gespräch entstand. Es ist natürlich fraglich, was für Themen man mit fremden aus dem Internet anschneiden sollte, aber ich denke, wenn man so gar nichts von sich preisgeben möchte, kann man das mit dem Menschsein auch genauso gut bleiben lassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Dieser unbekannt fasste für mich zusammen, was er anhand meines Instagramprofils von mit zu wissen glaubt. Und Freunde, ich war echt schockiert.

Hier sind meine Theorien: 1. Es ist wie bei Horoskopen. Mit der Erwartungshaltung hört sich alles plötzlich wahr an, was man vorgesetzt bekommt. Um diese Möglichkeit auszugrenzen, habe ich mir direkt man eine zweite Meinung eingeholt, von dem Menschen, der mich auf der Welt am besten kennt. Sie sagt, dass das doch recht Allgemein ist und irgendwie auf jeden zutrifft, wenn man es sich nur oft genug sagt. Ich bin da zwiegespalten. 2. Spionage. Wenn auch eine logische Erklärung, vielleicht doch ein bisschen zu unwahrscheinlich. 3. Extrem gute Menschenkenntnis? Unabhängig davon, ob der Fremde nun Recht hat oder nicht, hat mich diese Sache zum nachdenken gebracht:

Wie privat ist unser Privates eigentlich? Ich rede hier nicht von Datenschutz oder Datenklau, sondern von unserem tiefsten Charakter, unserem Wesen, was wir nur engen Freunden preisgeben. Im Internet findet man davon eher wenig. Sicher, ein Instagram Foto von einem Abend mit Freunden ist persönlich und privat und es ist ein schöner Moment und es ist es wert zu teilen. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt von mir als Mensch und meinem Leben, der persönlich genug ist für meinen Anspruch an das Teilen im Internet, aber natürlich nur wenig von meinem Wesen widerspiegelt.

Was ist, wenn das nur Einbildung ist? Wenn wir ein Foto im Internet posten, können wir schlussendlich vermeiden, dass wir damit Dinge preisgeben, die wir dem Internet lieber vorenthalten würden? Wenn meine Instagramfotos Ausschluss darüber geben, wie sensibel ich bin, wie ich mit Menschen umgehe, wie ich die Welt sehe, was meine Träume und Wünsche im Leben sind, bleibt dann eigentlich noch etwas privat? Ich kam nicht umhin mich zu fragen (sorry, muss sein), ob es mich beunruhigen sollte, Beschreibungen meiner selbst von Fremden zu bekommen.

Das Internet mit seinen zwei Seiten: Ein Ort, auf dem sich Menschen tummeln, genau wie auf den Straßen, in den Clubs und Bars, im Shopping Center und in ihren Heimen. Ein Ort, an dem sich auch Menschen tummeln, denen wir lieber nicht begegnen sollten. Genau wie auf den Straßen, in den Clubs und Bars, im Shopping Center und in ihren Heimen. Merkwürdigerweise bekommen diese Bekanntschaften im Internet dann aber schon einen faden Beigeschmack, denn ganz unweigerlich wird hier mehr in die Privatsphäre eingegriffen, als draußen auf der Straße. Bei einem Gespräch an der Bar, kann ich preisgeben, was ich für den Moment für richtig halte. Dafür reagieren wir spontaner, authentischer, geben mehr davon in die Waagschale, was wir im Netz zu verstecken suchen: Unser Herz. Im Internet jedoch, hat der fremde Zugriff auf das, was ich willentlich gepostet habe. Auf einen Teil der Vergangenheit, einen zensierten und überarbeiteten Teil. Ist man dann unverschämt, aus dieser Scheinwelt heraus zu wollen und lieber zurück an die Bar zu wollen?

Den schmalen Grad zu finden, in einer Welt, die zu neu ist um Regeln zu haben, scheint mir hier wieder fast unmöglich.

Und ob er nun Recht hatte oder nicht, mit seiner Analyse, es hängt wohl davon ab, wen man fragt und wie man die Dinge sieht. Aber es war schon erschreckend akkurat. Finde ich.

Für die Dr. Freud’s unter euch: Mein Instagram findet ihr hier.

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