# 22 Immer diese unbequemen Feministen #sunnyonfeminism

Unbequemer Amtsantritt

Es muss zu weilen sehr unbequem sein, am ersten Tag der Präsidentschaft aus dem Fenster zu sehen und von einem wütenden Mob demonstrierender Bürger begrüßt zu werden. Es war zu weilen auch sicher störend, Briefings über Atomwaffen Codes und Sicherheitsmaßnahmen zu lauschen, während draußen vor den Türen des Weißen Hauses und auf der ganzen Welt Frauen demonstrieren – eben weil er dort steht und lauscht, obwohl er so oft bewiesen hat, was ihre Stimmen ihm bedeuten. Unbequemer kann das erste Wochenende im Weißen Haus wohl nicht sein, aber wisst ihr, ich finde so einiges auch zu weilen ziemlich unbequem.

Dass amerikanische Freunde berichten, gestern mit den gleichen Schildern demonstrieren gegangen zu sein, wie ihre Mütter vor 30 Jahren. Mir die Wut und die Frustration in den Gesichtern friedlich demonstrierender anzusehen, ist auch ziemlich unbequem für mich. Und die Tatsache dass überall auf der Welt, bis zu einer halben Millionen Frauen auf die Straße gehen müssen und ihre Ehre, ihre Daseinsberechtigung, ihre Körper und ihren Stolz verteidigen müssen, das ist auch ziemlich unbequem.

Unbequeme Wahrheiten

Wisst ihr, ich habe eine Schulkollegin, die zwar sehr nett ist und mir sehr nahesteht, aber auch sie hat von mir als Feministin ein Bild von einer frustrierten, leicht zu provozierenden Besserwisserin im Kopf. Wenn im Unterreicht nur Aussagen fallen: „Die Reden vermutlich eh nur über Frauen, den ganzen Abend“, kommt dann direkt: Na Sarah, willst du dazu mal sagen?

Nein Danke. Weil es keinen Grund gibt sich wegen einer solchen Aussage angegriffen zu fühlen und es nicht meine Aufgabe ist, dir zu erklären was Feminismus bedeutet. Es sind die Kommentare, die ich oft ernte, wenn die Leute auf einen Gefühlsausbruch lauern – und zwar immer dann, wenn es wahrlich nichts zu kritisieren gibt.

Mich bringt das trotzdem oft zum Nachdenken. Viele halten meine Einstellung sicher für ein Mitgehen mit einer Modeerscheinung, für eine Laune der Spätpubertät und noch mehr, sie halten mich deswegen für einen Sonderling. Viele Frauen können ohne an eine Grenze zu stoßen durchs Leben gehen, oder haben keinen Bedarf an großer Kritik an ihren Umständen. Das trifft leider nur auf einen sehr, sehr kleinen Teil der Frauen zu, die selbst gewählt das Leben führen, was ein Stück weit von ihnen erwartet wird: Sorge für die Kinder zu tragen, weniger zu arbeiten, den Haushalt zu schmeißen. Und auch dann werden sie um Respekt ringen müssen, denn Kinder zu erziehen ist mitunter die wichtigste und am wenigsten respektierte Aufgabe auf diesem Planeten, nur leider ist irgendwann der Irrglaube entstanden, dass diese Aufgabe den Frauen vorbehalten ist, die dafür dann auch noch den Titel des verdummten Hausmütterchens tragen müssen. Sich dieser Aufgabe zu entziehen und sich stattdessen auf den Beruf oder sich selbst zu konzentrieren, lässt einen nur auch nicht besser dastehen.

Unbequeme Aufgaben

Egal ob wir den Planeten bevölkern, oder das Geld verdienen, alleine gelassen werden, oder nur am Arm eines Mannes überleben können. Egal, ob uns alles egal ist, oder wir mit den Plakaten durch die Innenstädte laufen, ob wir zu weiblich oder nicht weiblich genug sind, im Leben einer Frau, wird man fast immer für das, was man tut kritisiert. Und es ist im Jahre 2017, wo das enden muss.

Der Grund aus dem sich gestern fast doppelte so viele Demonstranten eingefunden haben, um zu demonstrieren, als um am Tag zuvor den neuen Präsidenten zu begrüßen. Das gibt Hoffnung, über die Stimmung im Land, aber nicht nur.

Wenn ich die Nachrichten einschalte, durch meinen Facebook Feed scrolle, mir die Twitter Trends ansehe und Frauen und Männer sehe, die noch heute dafür demonstrieren müssen, dass sie auf der Welt sind – dann bricht mir das mein Herz.

Es geht um das Recht, das Leben zu führen, was wir wählen. Es geht um das Recht, über unseren Körper zu bestimmen – in jeder Hinsicht. Es geht um das Recht ernstgenommen zu werden, nicht in der letzten Reihe zu stehen. Es geht um das Recht, nicht einfach wegzusehen, wenn der US Präsident einfach Sätze sagte wie: Grab them by the pussy.

Pussy grabs back

Ich habe mich im Netz umgesehen und trage euch die besten Plakatsprüche des Women’s March in Washington zusammen:

 

IF ABORTIONS ARE MURDER THEN BLOWJOBS ARE CANNIBALISM

KEEP YOUR FILTHY LAWS OFF MY SILKY DRAWERS

IF MY UTERUS WERE A CORPORATION WOULD YOU STOP REGULATING IT?

IF I WANTED THE GOVERNMENT IN MY WOMB I WOULD FUCK A SENATOR

MY PUSSY MY RULES

I AM SO ANGRY I MADE A SIGN

NO WOMB FOR HATE

KEEP YOUR TINY GROPING HANDS OFF OUR RIGHTS

OUR BODIES OUR MINDS OUR POWER

THE FUTURE IS NASTY

VIVA LA VULVA

THIS BODY IS MINE

RESPECT EXISTENCE OR EXPECT RESISTENCE

IF ONE MAN CAN DESTROY EVERYTHING CAN ONE GIRL CHANGE IT?

SEX OFFENDERS CAN NOT LIVE IN GOVERNMENT HOUSING

THIS IS THE MOVEMENT THAT TRUMP BUILT

WHEN THEY GO LOW WE GO HIGH

MY ARMS ARE TIRED FROM HOLDING THIS SIGN SINCE THE 1960s

 

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