#24 Rassisten

 

Worum ich nicht gebeten habe

Wisst ihr, ich für meinen Teil, habe nie gebeten auf die Welt zu kommen. Ich wollte nicht auf diesem Planeten Leben und die Verantwortung tragen, die es mit sich bringt, ein Mensch zu sein. Ich wollte nicht die Aufgabe haben Teil einer Gesellschaft zu sein, die das Leben meiner Kinder besser macht. Ich wollte nicht hier essen und atmen, wollte nicht meinen Platz finden müssen. Ich wollte keine Nationalität haben und ich wollte auch keine Frau sein. Und doch, ist es das größte Geschenk, jeden Tag als Mensch aufzustehen und als Mensch schlafen zu gehen und sich dazwischen nur der Aufgabe zu widmen ein Mensch zu sein.

Ich möchte über Rassismus reden. Über den Hass solcher, die nicht ertragen, nicht alleine auf der Welt zu sein. Deren Sicht so eingeschränkt ist, dass sie gerade so am Morgen über den Rand ihrer Müslischale auf den leuchtenden Bildschirm ihres Smartphones blicken können. Dieses kleine eckige Fenster, das einen Blick auf eine selektierte Welt gewährt. Eine Welt jedoch, die alle sehen können, nur eben mit anderen Augen, aber geschützt hinter einem Pseudo-Vorhang der die Illusion aufrechterhältst, dieses Internet sei nicht die richtige Welt und alles, was du hier tust, ist viel weniger schlimm, als alles was du draußen, fernab deiner Müslischale tun könntest.

Als ich 2011 in den USA war, habe ich das erste Mal einen Tropfen davon auf der Zunge spüren müssen, was es heißt, diskriminiert zu werden. Ich war die Deutsche, die Ausländerin. In meinem Reisepass steht eine Nationalität die mit einem ziemlich hässlichen Schatten befleckt ist und daran hat man mich regelmäßig erinnert. Besonders jüdische Schüler fanden es dann extrem witzig mich auf dem Schulflur mit Hitlergruß zu begrüßen. Versteht mich bitte nicht falsch, ich für meinen Teil, fühle mich deswegen keinem echten Rassismus ausgesetzt. Mich haben diese Auswüchse weder schockiert noch wirklich verletzt, aber ich habe gelernt, was es heißt für etwas kategorisiert zu werden, mit dem man eigentlich nichts zu tun hat.

Der Nationalsozialismus ist für mich nicht mehr, als ein Kapital im Geschichtsbuch, wie jedes andere auch. Es hat meine Identität als Deutsche nicht gestört, es hat auch mein Leben nie beeinflusst. Ich sehe diese Grausamkeit nicht weniger auch in meiner Verantwortung, als in der der 7 Milliarden anderen Menschen auf dem Planeten.

Dieses denken jedoch, eine Grenze nur noch einen Strich auf der Landkarte zu betrachten ist zum einen sehr Europäisch und löst das Problem auch nicht. Es sind weniger noch die Nationalitäten, die dumme Menschen noch dümmer macht, sondern das Antreffen eines Menschen, der anders aussieht als man selbst.

Es mag für uns in weiter Ferne liegen, aber wer aufmerksam die Nachrichten verfolgt weiß, dass die Arbeit lange nicht erledigt ist, die es braucht um zum Beispiel Afro-Amerikaner in die USA zu integrieren. Die Tatsache, dass noch im Jahr 2017, junge gebildete, zukunftsgerichtete Bürger, die ihr ganzes Leben in den USA gelebt und gelernt haben, in ihrem eigenen Land ein Schild halten müssen, auf dem sie erinnern, dass sie ein wertiges Leben haben, trifft für mich auf absolutes Unverständnis.

Keine Kompromisse

Ich habe mir neulich Nacht die Dokumentation 13th auf Netflix angesehen, die die Historie des amerikanischen Rassismus erzählt. Sie lehrt niemals Platz für Kompromisse zu haben. Egal, wie schlecht es den Menschen früher ging, es kann nicht genug an Erfolg sein, heute zumindest nicht mehr versklavt zu sein. Viele Menschen tragen diese eklatante Genügsamkeit in sich, die oft mit dem Prinzip „Warum beschwerst du dich, anderen geht es noch schlechter“, verwechselt wird. Ist aber die Rede von zu elementare Menschen-Rechten, wie der Gleichberechtigung, finde ich, dass jedes Level unter „voll-erfüllt“ eine Schande für die Menschheit ist.

Es ist egal, ob meine Großmutter nicht mal eigenes Geld verdienen durfte. Wenn ich heute im Club begrapscht werde, ist das trotzdem nicht, was ich hinnehmen werde. Es ist egal, ob der Ku-Klux-Klan vor einem Jahrhundert noch gemordet hat. Wenn es immer noch Menschen gibt, die Schwarzen das Mieten einer Wohnung verweigern, dann gehören diese eingesperrt.

Niemand hat darum gebeten auf die Welt zu kommen und doch müssen wir alle unsere Leben leben, mit dem Rüstzeug was wir haben. Und die Tatsache, dass es manche, obgleich wir es schon alle schwer genug haben, es immer noch ein bisschen schwerer haben, eben wegen dieser anderen Menschen, das ist eine echte Quelle der Wut, um die sich aber niemand sorgt.

Warum sind es die, die privilegiert geboren worden sind, wegen derer Radikalisierung wir uns fürchten, wir uns aber keine Sorgen um die machen, die Tatsächlich ihr Leben lang unterdrückt worden sind? Das dicke Ende scheint mir ziemlich vorprogrammiert und ja – wir sind schuld.

Ich habe heute Morgen dieses Video gesehen, es beleuchtet die lähmende Omnipräsenz von Rassismus und sollte uns erinnern, dass es Konfrontationen gibt, bei denen man nicht einfach zur Tür hinaus gehen darf.

Was haltet ihr von der Professorin?

 

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3 Kommentare zu „#24 Rassisten

    1. Ich finde besonders das Mädel ziemlich daneben. Die Professorin hat eindeutig einen Punkt, den sie zwar ziemlich unschön rüberbringt, aber der eben auch an sich schon ziemlich unschön ist..
      Danke für deinen Beitrag!

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