#25 Guess who’s back!

Politikwoch: Schulz ist back!

Als ich gestern an einem besonders aktiven Nachmittag nach einem Mittagsschläfchen aufwachte und auf mein Handy spähte sprang mir dort eine Nachricht entgegen, mit der ich offen gestanden nie gerechnet hätte: Martin Schulz kehrt zurück nach Berlin. Sigmar Gabriel gibt die Pateispitze ab. Schulz wird Kanzlerkandidat. No fucking way.

Ich hatte zwar gehört, dass die Entscheidung diese Woche fallen sollte, aber nicht ein Stern am Horizont hatte bisher ein Licht auf diese Wendung geworfen. Ich hätte wirklich jeden Betrag gewettet, dass man Schulz ins Außenministerium sitzen würde, damit Gabriel weiter tun kann, was er am besten tut: Öffentlich seinen Job scheiße machen und die SPD zu den Versagern der kommenden Wahl küren. Aber hey, offenbar ist dort nun doch jemand zur Vernunft gekommen.

Wer ist dieser Martin Schulz?

Dieser ältere Herr mit den aufdringlichen Augenringen zeigt schon im Gesicht, was wir dringend brauchen: Einen unermüdlichen. Als Ex-Präsident des EU Parlaments hatte er bewiesen, was es heißt Recht und Ordnung in eine Institution zu bringen, die bisher nur durch Bürokratie und Chaos aufgefallen war. Ja, dieser Martin Schulz hat sich dieser Aufgabe angenommen und als einer der wenigen Deutschen in Brüssel unserem Naturell alle Ehre gemacht: Genau, Streng, aber Charismatisch. Es gibt so manches Video, dass den Ex-Präsidenten zeigt, wie er aufsässige Abgeordnete einfach rausschmeißt, wie er geduldig den schier endlosen Monologen von Nigel Farage lauscht und immer wieder zu Besonnenheit ermahnt, wie er Tag ein Tag aus auf seiner Kanzel steht und in die hungrigen Mäuler der MPs blickt und den wohl undankbarsten Job Europas ab dem Jahr 2015 meistert.

Er wird oft als Bescheiden beschrieben, sonnt sich nicht in den Titeln des Präsidenten, spielt sich nicht auf, nutzt seine Position nicht auf. Einer SPDler vom alten Schlag eben. Die Partei, der er seitdem er 19 ist die Treue hält. Als junger Engagierter und später Bürgermeister des NRW-Städtchens Wüselen. Dort endet die kurze Karriere in der Bundespolitik, denn Schulz orientiert sich nach größeren Aufgaben: Er geht nach Brüssel und wird Abgeordneter der SPD-Fraktion in der EU, der er späterhin auch vorsitzt. 91% seiner Partei wollen ihn damals, 2014, in der Europawahl sehen, Schulz strebt den Chefsitz der Kommission an und bekommt die Präsidentschaft, die er erst vor einer Woche weitergab.

Nun, nach geschlagenen 7 Tagen der Arbeitslosigkeit, kommt er zurück, mit wehenden Fahnen und viel Hurra. Er ist der Außenseiter, von dem alle viel gehört haben, obwohl er in Deutschland weites gehend unbekannt ist. Ein unbeschriebenes Blatt, der sich bis dato noch nicht in den Fragen des einfachen deutschen Mannes Positionieren musste und nun 8 Monate bis zur Bundestageswahl Zeit hat um dies zu tun. Die Vergangenheit in Europa hat gezeigt, dass es ihm an Unterstützung innerhalb der Partei nicht mangeln sollte. Zumal dieser Mann schlicht weg geeignet ist, niemand den Rücktritt von Gabriel zu betrauern scheint und auch die SPD sicher kein Problem mit einem erfolgreichen Jahr haben würde.

Wir wählen

Wir, die Deutschen, werden also am 24.09.2017 zur Wahlurne schreiten und unser Kreuzchen setzen. Im Gegensatz vor einer Woche noch steht dort nun neben Angela Merkels Namen noch ein Kandidat, der die K-Frage gut und zielführend beantworten könnte. Dennoch sind die Kandidaten sehr verschieden und das Land bleibt tief gespalten.

Schulz kommt aus Europa und wird einen Teufel tun und nun hingehen und die Europäische Flüchtlingspolitik an den Pranger stellen. Aber sein wir mal ehrlich, jemandem dem es nicht passt, wie Europa diese Sache angegangen hat, ist vermutlich auch kein riesen Fan davon, wie Merkel die Sache angegangen hat. Selbiges gilt für Europakritiker. Wer Schulz nicht wählt, weil er keinen Kanzler möchte der die Hälfte seines Lebens mit dem Aufbau der EU verbracht hat, der wird sich auf Muttis Schoß nicht wohler fühlen. Und eine Kehrtwende a la Brexit ist auch bei der Union nicht zu erwarten.

Die Spaltung, auf die es hier ankommt ist dann wohl wieder die Uralte Frage nach den Konservativen und den Superliberalen, die Frage nach dem Ausmaß der Identitätskrise in der wir uns heute befinden. Denn freilich, was vor 5 Jahren noch ein CSU Wähler war, wurde vielleicht schon letztes Jahr so sehr von seiner Partei enttäuscht, dass er entweder schon längst die AFD wählt, oder nur auf eine so solide Alternative wie Martin Schulz gewartet hat. Es könnte wieder eine Antwort aus der Ecke der Demographie und der Wahlbeteiligung sein, die die K-Frage am Ende entscheiden wird, oder es wird eine Antwort geben, die entgegen allem Steht, was wir von der Sonntagsfrage gelernt haben. Alle Feinheiten werden sich mit den Entscheidungen von Martin Schulz zeigen. Ich für meinen Teil, bin jeden Falls wahnsinnig gespannt, der Dinge, die da kommen mögen. Ich bin gespannt auf die Statements zu den Themen der Tagesordnung, auf die Kampagne der SPD, auf den Angstschweiß der Kanzlerin. Denn ja, ich finde schon, dass mit dieser Rückkehr wieder mehr als nur die GroKo offen ist.

 

Martin Schulz wirft Rassisten raus

Spiegel zur Kanzlerkandidatur

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