#29 Dagegen entscheiden #sunnyonfeminism

Einen schönen Sonntag, liebes Sonnenvolk. Der Sonntag ist zum Glauben da. Ich glaube an Feminismus. Los geht’s:

Ich wage mich heute mal an die Golddisziplin der Kontroverse: Ein Thema, was man am besten niemals, schon gar nicht im Internet bespricht, aber ich glaube manchmal fehlt diesem Blog die Priese Salz. Nach meiner Investigativen Glanzleistung von gestern, geht es heute um ein ernsteres Thema: Abtreibung. Wie immer findet ihr alle Links und weiterführenden Content ganz unten.

Immer aktuell

Übrigens auch ein hochaktuelles Thema. Der ein oder andere, könnte es mitbekommen haben: Als einer der ersten Amtshandlung hat Trump direkt ein paar Bezüge für öffentliche Einrichtungen gestrichen. Für Planned Parenthood zum Beispiel. Planned Parenthood ist eine non-profit Organisation, die sich mit Partnerschaft, Zeugungswunsch und Sexualität auseinandersetzt. Und zwar in jeder Hinsicht. Von STD Tests, über künstliche Befruchtung bis hin zu Abtreibung ist PP eine der wenigen öffentlichen Beratungsstellen für die Amerikaner, für ein Volk ohne gesetzliche Krankenversicherung, für ein Volk, was extrem mangelhaft aufgeklärt wird. Die Bezüge dafür zu streichen, lässt das Problem zum einen noch größer werden und zum anderen unterbindet es alle Möglichkeiten diese Probleme zu lösen. Verbreitung von sexuell Übertragbaren Krankheiten oder ungewollte Schwangerschaften werden damit zu einer Problemblase von astronomische Größe. Aber klar, Donald Trump und seine Regierung haben ja keinen Nachteil davon, wenn amerikanischen Frauen die Abtreibung verwehrt bleibt.

In Zahlen

Was bedeutet es eigentlich, Frauen dieses Recht auf ihren eigenen Körper zu verwehren? Im Jahr 2014 waren es etwas über 12% der Schwangerschaften, die abgebrochen wurden. Das sind immerhin 85.800 Kinder, die nicht zur Welt gekommen sind. Aber es sind vor allem 85.800 Mütter, die eine Entscheidung getroffen haben, für sich und ihr Kind. Das sind 85.000 Mütter die nicht an der Verantwortung zerbrechen mussten, die ihren Schulabschluss, ihre Ausbildung, ihr Studium, ihren Traum verwirklicht haben. Das sind 85000 Mütter die sich das Recht auf Normalität zurückgeholt haben, oder lieber an einem besseren, passenderen Zeitpunkt ein Kind bekommen. Wenn sie finanziell und sozial gesichert sind, wenn sie sich in der Lage dazu fühlen einen lebenstüchtigen Menschen zu erziehen, wenn sie nicht alleine sind und wenn sie ihre Ambitionen nicht an den Nagel hängen müssen. (Abgesehen von sonstigen Umständen, wie zum Beispiel Krankheit, Verbrechen oder Gewalt, eine Schwangerschaft abzubrechen).

Liebe Abtreibungsgegner,

die ihr nun an 85.800 kleine Babys, mit süßen Fingern und Herzen und unschuldigen Gesichtern denkt – was soll man sagen, das Leben ist eben nicht fair. Keiner dieser Frauen hat darum gebeten als Frau zur Welt zu kommen. Aber mit einem zeugungsfähigen Uterus kommt eben auch die Verantwortung in der Lage zu sein, ein neues Leben zu erschaffen und auch die Macht, es bleiben zu lassen. Theoretisch dazu in der Lage zu sein, ist keine Rechtfertigung dafür eine gespaltene Eizelle als Grund zu akzeptieren seine Träume auf der Strecke liegen bleiben zu lassen. Denn ja, ein Mann wird nie von so einem Problem konfrontiert sein, er wird sich verwirklichen, egal wie mitverantwortlich er ist, denn wie schon erwähnt, ist die Welt eben nicht fair und es sind die Frauen, die das Problem wortwörtlich in sich tragen. Und zwar die Frauen allein.

Eine befruchtete Eizelle ist Teil meines Körpers und meines Körpers allein. Nur weil dort ein anderes Spermium beteiligt war, gebe ich nicht einfach den Besitz der Hälfte meiner Gebärmutter an einen anderen Menschen über. Es ist und bleibt mein Unterleib, ich bin schwanger, ich bringe dieses Kind zur Welt, ich bin Mutter, ob ich es will oder nicht. Ich kann dann nicht gehen, oder es mir anders überlegen. Ich kann mich nicht rauskaufen und mich nur am Wochenende drum kümmern. Ich werde verantwortlich sein und mit dieser Verantwortung kommt auch die Entscheidung diese Verantwortung nicht auf mich zu nehmen.

Eine andere Welt

Seit Anbeginn der Zeit haben Frauen abgetrieben. Oftmals haben sie lieber in Kauf genommen selber zu sterben, als ein Kind zur Welt zu bringen. So groß ist der Leidensdruck, dass die Gesellschaft das einzig menschliche tat und einen Rahmen erschuf, in dem man legal und medizinisch akkurat einen Schwangerschaftabbruch durchführen lassen kann. Diese Praktik kann man nicht vergleichen mit etwas Anderem. Es ist nicht so, als würde man nur einen Zellhaufen, oder Geschwür oder ein Muttermal entfernen. Es ist eine abgeschlossene kleine Welt, in der man keine Gründe suchen muss, keine Rechtfertigung abgeben muss, eine Welt in der jeder selbst entscheidet und entscheiden muss und vor allem ist es eine Welt, in der Männer nichts verloren haben.

Wenn ich in meinem Leben noch ein einziges Mal einen machtgeilen, anzugtragenden Politiker auf der Kanzel sehen stehe und mir anhören muss, war er meint was ich mit meinem Körper tun darf oder nicht darf, dann wäre das schon Grund allein, keine Kinder in diese Welt zu setzen. Sich das Recht herauszunehmen im Jahre 2017 einen Erlass zu unterschreiben, der Geld einspart in dem man Frauen das Recht auf sich selbst nimmt, halte ich für nicht weniger schlimm als einen Mauerbau.

Und wir?

Ich werde in ein paar Monaten 21 und habe mich schon oft gefragt, wie leichtsinnig ich mit Schwangerschaftsfrage umgehen sollte. Denn 1% sind am Ende 1%, die ich alleine tragen werde und fernab von jeder Vorsicht und allen Maßnahmen kennt jede Frau die Tage, in denen sich dieser Gedanke einschleicht, man könnte schwanger geworden sein. Ist Abtreibung da ein Schlupfloch, eine Versicherung, die einen nachts besser schlafen lässt? Das muss jeder für sich selber entscheiden. Aber auch weiß ich, dass das Leben als junger Mensch auch so schon schwer genug ist. Auch ohne Kind. Auch ohne die Angst, das Risiko der Schwangerschaft am Ende zu 100% zu tragen.


In diesem super einfühlsamen und spannenden Artikel auf jetzt.de schreibt eine junge Frau von den letzten Wochen vor ihrer Abtreibung. Unbedingt reinschauen.

Die Daten, Zahlen und Fakten über Abtreibungen in Deutschland findet ihr hier.

In den USA wurde vor kurzem die letzte Abtreibungsklinik im konservativen Staat Mississippi geschlossen. Eine Dokumentation findet ihr hier.

Ein Info Film zum Thema Planned Parenthood gibt’s hier

Forbes über das Defunding von Planned Parenthood

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2 Kommentare zu „#29 Dagegen entscheiden #sunnyonfeminism

  1. Die Bezüge wurden nicht gestrichen um Geld einzusparen. Planned Parenthood hat illegale Handlungen vorgenommen, darunter Abtreibungen nach über 35 Wochen. Zum Vergleich: über 90% der Säuglinge, die bereits nach 27 Wochen geboren werden, überleben. Ebenfalls wurden lebendig geborene Kinder getötet. Quelle: https://energycommerce.house.gov/sites/republicans.energycommerce.house.gov/files/documents/Select_Investigative_Panel_Final_Report.pdf

    Die Zahlungen einzustellen ist deshalb mehr als gerechtfertigt und hat nichts damit zu tun, die Rechte von Frauen einzuschränken

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    1. Hallo lieber Leser, danke für deinen Beitrag. Dieses Dokument der Republikaner habe ich nur überflogen, denn zum einen steht es mir nicht zu (und übersteigt auch meine Kompetenzen bei weitem), dieses als richtig oder falsch zu bewerten und zum anderen, ist es für meinen Artikel auch egal, ob diese Vorwürfe stimmten, oder nicht. Ich würde es so zusammenfassen: Eine anständige Regierung würde für solche Vergehen stärkere Maßnahmen ergreifen als nur Taschengeldentzug zu verhängen und ferner solche Institutionen auch nicht ersatzlos streichen sondern angemessen ersetzen, (sofern man kein Geld einsparen möchte). Bleibt dieser Ersatz aus, finde ich schon, das Frauen in ihren Rechten eingeschränkt wurden.
      Netter Name übrigens. Ist aber bestimmt in Ordnung – Andrew Breitbart hätte wahrscheinlich nichts dagegen, wenn du unter seinem Namen erzkonservativen Müll im Netz verbreitest. Leider können wir ihn ja nicht mehr fragen.

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