#40 Um diese Welt habe ich nicht gebeten

 

Ernstes Thema auf einen trüben, ekelhaften, kalten Donnerstag.

Den Kühlschrank voller Essen, den Kleiderschrank voller Klamotten, aber nie was zum Anziehen und ständig hungrig.

Egal, ob es euch gut oder schlecht geht. Wir alle kennen das.

Als Mensch in einem westlichen Land des 21. Jahrhundert ist man einfach verdammt schwer satt zukriegen und obwohl wir auch nur Instinkt gesteuerte Tiere sind, haben wir irgendwie verlernt uns selbst zu verstehen. Wir fragen uns, ob das Leben, was wir uns ausgesucht haben, eigentlich artgerecht ist. Wir wissen nicht mehr, wie man gesund ist, wie man isst und was man essen sollte, was eigentlich normal ist und was nicht. Wie kommt das?

Ist es diese Glitzer-Plastik Welt, die unseren Hormonhaushalt so auf den Kopf gestellt hat, dass wir vor Versuchung und Sucht nicht mehr ein noch aus wissen? All diese Dinge, jede Woche ein neues Shirt kaufen, jeden Tag eine andere Sorte Fleisch zum Abend, Früchte aus Südafrika zum Frühstück, alles in Reichweite, alles in Kaufweite, das fühlt sich so wunderbar normal an. Nie würde ich an einem normalen Tag hinterfragen, was eigentlich die Kehrseite von dem Käse in meinem Kühlschrank und von den Schuhen in meinem Schrank ist, aber es ist wichtig sich das zu fragen.

Dokumentationen wie Food Choices oder The True Cost tischen den Menschen eine verdammt unbequeme Wahrheit auf, über das Leben, was wir Leben und lieben. Über die Dinge die uns trösten und glücklicher machen, über die Tatsache, dass unser „Glück“ an anderer Stelle wieder ausgebadet wird.

Wir wirtschaften die Niedriglohnländer in Grund und Boden, Menschen vergiften sich an den Umweltauswirkungen unserer Klamottenproduktion, Menschen verhungern, obwohl sie den ganzen Tag arbeiten, der Planet stirbt, der Müll häuft sich und wir haben jede Woche eine neue Kollektion zum Betrachten im Shop hängen.

The True Cost zeigt Bilder von Wahnsinnigen, die am Black Friday die Shops stürmen und von verarmten Gegenden in Südamerika, deren Menschen an verseuchtem Grundwasser sterben. Food Choices zeigt die Massentierhaltung unter schlimmsten Bedingungen, während wir uns im Restaurant nach der Kellnerin umdrehen, die uns den Burger auftischt.

Wir zerstören unsere Umwelt, wir quälen Tiere um Essen herzustellen, was uns krankmacht. Wir beuten die Armen aus, wir verseuchen unseren Planeten, damit wir im Geschäft nicht zwei Wochen in Folge die gleiche Kollektion sehen müssen.

Ich habe um diese Welt nicht gebeten.

Man muss sich da unweigerlich Fragen, ob wir eigentlich so weitermachen können. Diese Dokus sind inzwischen keine Seltenheit mehr, sie sind beliebt und extrem gut gemacht, sie stoßen uns zum Denken an und machen uns klar, was wir vielleicht lieber nicht auf die harte Tour lernen sollten: Wir können in der Tat nicht so weitemachen. Denn irgendwann gehen uns die Ressourcen aus und die vielleicht auch die Menschen, die diese aussterbenden Ressourcen so verschwenderisch wie möglich zu unseren Gunsten verarbeiten. Dieses System steht auf so wackeligen Beinen, dass einem nur bei zusehen schwindelig wird und trotzdem sind wir meist ob einer konkreten Antwort auf das „wie“ verlegen.

Denn, auszubrechen ist da fast unmöglich. Sein wir mal ehrlich, wo soll man denn einkaufen, wenn nicht in den Fußgängerzonen, was soll ich denn Essen, wenn jeder Burger so großes Leid verursacht? Was soll ich noch schauen, wenn bei RTL Behinderte verarscht werden, wie soll ich noch von A nach B kommen, wenn mein Auto mir mein Zuhause nimmt? Was sind denn die Freuden im Leben, für die man sich nicht in Grund Boden schämen braucht? Sind wir die Reichen Weißen, die ihren Prunk auf dem Rücken der Armen Leben? Wann ist diese Welt so pervers geworden?

Dieses System alleine zu verlassen ist vielleicht einfach, aber wie weiterleben, wenn die meisten der Menschen in deiner Umgebung, diese Realitäten nicht sehen? Wie ein Beispiel sein, wenn man keinen Bock hat, immer der Stammtischführer an jedem Kneipenabend zu sein? Wie, wenn man keinen Bock immer der Außenseiter zu sein. Kurz um: Wie schluckt man diese bittere Pille, ohne dran zu ersticken? Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und sie versucht sie in wenigen Punkten runter zuschreiben.

Eine Weltverbesserung-Anleitung ohne das ewige Weltverbesserer Gelaber:

  1. Was wir ändern können und was nicht.

Wenn ich morgen aufhöre Fleisch zu essen, werden die Tiere dann weniger gequält? Nein. Aber wenn ich in diesem Monat nur einmal Geld für Fleisch ausgegeben hat, dann spricht das eine Sprache, die die Großkonzerne schon besser verstehen. You vote with your dollar. Fühle dich also nicht, wie der Held, weil du weniger Fleisch isst, sondern wie jemand, der sein Geld sinnvoller umverteilt. Das gilt übrigens auch für „vegetarische“ Wurst von Fleischproduzenten. Wenn ihr das Geld, was der Fleischersatz bzw. der Fleischverzicht kostet einem der größten Wurstwarenhersteller des Landes in den Rachen werft, dann seid ihr mit der Salami in der Tat besser aufgestellt. Schmeckt ja auch besser.

  1. Eins nach dem anderen

Es besteht kein Grund nach der Doku in Tränen aufgelöst seine Klamotten in blaue Säcke zu stopfen, aber es ist auch wichtig dazu zu lernen. Sich wirklich mal zu fragen, wie sehr man dieses Shirt oder Kleid braucht und sich vor allem zu fragen, was für Alternativen man hat. In der Ruhe steckt nämlich wirklich manchmal die Kraft. Einfach ein bisschen bewusster zu leben, heißt auch schon ein ganzes Stück bewusster zu leben. Also take it easy. Kleine Schritte.

  1. Macht euch das Leben nicht noch schwerer

Die Menschen in deinem Umkreis, haben kein Bock auf dein Gelaber? Super, dann sei halt einfach auch mal still. Dass ich denke, wie ich denke, hat wirklich weniger mit der Veganer Heilarmee zu tun, als vielmehr mit meinem eigenen Interesse an diesen Themen. Und genauso sieht die Realität auch aus. Niemand möchte wissen, was du isst und wie du isst, es sei denn er fragt danach. Ein Ideal zu haben, heißt nicht, keine Manieren mehr zu haben, also bitte, weniger Stammtisch, mehr normaler Umgang.

 


Peta zum Thema Ernährung, wirklich sehr gut gemacht.

 

Und die Trailer zu:

Food Choices

 

The True Cost

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