#42 Guckt doch einfach mal ohne Nörgelei den Bachelor

Neulich beim Redaktionsmeeting von RTL „Der Bachelor“:

„Ja Sebastian, du bist echt der perfekte Kandidat!“

– „Ja, aber…“

„…wirklich, Anfang 30, erfolgreich im Beruf, gutaussehenden…“

-„ja, aber…“

„Wir dachten schon, wir finden nie wieder jemanden, der den Scheiß mitmacht…“

-„Ja, aber… ich bin schwul!“

Allgemeines scharfes einatmen. Dann kollektives Schulterzucken. „Ja Gott. Ist dann eben so. Spricht eigentlich ja auch nichts dagegen.“

Und so geschah es, dass sich halb Deutschland mittwochabends mit Wein uns Pizza auf die Couch setzt und sich ansieht, wie 20? 15? Frauen so tun, als würden sie um einen Mann buhlen, der so tut, als sei er hetero. Eigentlich ein super Konzept für das Trash TV VorabendsProgramm, wäre es nicht so unangenehm anzusehen und die Gegenstimme so unüberhörbar.

Sorry, da muss ich euch enttäuschen

Für alle, die hier eine reißerische Abhandlung erwartet haben, wie peinlich es ist, wenn 20? Oder 15? Frauen ihre Würde am Düsseldorfer Flughafen abgeben und sich dann ihrer einzigen Daseinsberechtigung frönen, nämlich Sekttrinken und Peinlichsein, den muss ich leider enttäuschen. Zum einen lasse ich mich auch gerne unterhalten und zum anderen sind das, wenn ihr mich fragt, einfach Schauspieler, die ihr Geld zumindest auf bessere Art und Weise verdienen, als mit Harz IV oder Flyerverteilen und damit für mein Verständnis kein Grund sich aufzuregen.

Aber eindeutig ein Grund sich zu fragen, was es eigentlich ist, was diese Sendungen so spannend macht. Ein ganz guter jetzt.de Artikel nennt da das gemeinsame Lästern, das Mitfiebern, das ungewöhnliche Beiwohnen eines Dates, aber ich steige da nicht wirklich hinter. Klar, Lästern macht Spaß, das ist erwiesen, aber als ob erste Dates nicht oft ohnehin schon unangenehm genug ist, will ich diese trägen Szenen nicht auch noch im Fernsehen bezeugen. Und außerdem: Glaubt da draußen allen erstes Jemanden, der denkt, das sei echt? Immerhin betonen unsere Kandidatinnen ja schon zu Beginn jeder Staffel, dass sie gewinnen wollen, no matter what, ohne ihren Prachtkerl überhaupt schon kennengelernt zu haben, denn sonst wäre ja schon, die Tatsache, dass der Herr wohl schwul ist, ein Ausschlusskriterium. Aber sein wir mal ehrlich, RTL kann sich in dieser Welt wirklich keine Diskriminierungsklage mehr leisten und dem Unterhaltungswert tut dieses kleine Haar in der Suppe ja auch nichts.

Was ich an dieser Sendung allerdings bedenklich finde, sind die brotlosen Bemühungen, so zu tun, als ginge es hier um die Realität. Bedenklich, weil – zumindest laut dieses Artikels – ja viele diese Sendung eben so mögen, weil sie sich dort angeblich echte Dates anschauen. Mädels die eigentlich nur berühmt werden wollen, aber immer das süße Mädel von neben an machen, Models, die eigentlich nur Karriere wollen, aber trotzdem alles komplimentieren, was dieser Mann zu bieten hat. Das ist einfach Lügen im großen Stil und wirklich pietätlos, wenn man bedenkt, dass man im Jahr 2017 auch einfach mal dazu stehen kann, dass man gerne im Rampenlicht steht.

Wenn der Instafame nichts fruchtet, kommt eben RTL ins Spiel

Auch macht diese Illusion nur wenig Hoffnungen bezüglicher unserer Datingwelt, die ja eh schon verquer genug ist. 20? Oder 15? (gleich google ich’s) Frauen, reisen um die halbe Welt, um miteinander in den Ring zu steigen, einen Wettbewerb gewinnen und am Ende mit der großen Liebe zur Tür hinaus spazieren. Liebe Zuschauerinnen, wenn das die Realität ist, dann sollten wir wirklich aufhören RTL zu schauen.

Stattdessen könnte man auch mal Unterhaltung so nehmen wie sie ist. Und gemessen an dem anderen Dreck, der nach 20:15 (und eigentlich auch davor) über unsere Bildschirme flimmert ist der Bachelor ja noch vertretbar: Immerhin sind das mündige Frauen, die Wissen was sie tun und auf jeden Fall auf die eine oder andere Weise ein ehrgeiziges Ziel verfolgen. Und was das mit dem Feminismus angeht, so muss man auch betonen, dass diese Frauen nicht von den Machern oder von dem Bachelor selbst als geistlose, raffgierige Püppchen dargestellt werden, sondern das auch ganz alleine ziemlich gut können.

Und ja, manchmal muss man sich einfach zurück lehnen und auch mal ein „ja“ akzeptieren, denn manche Dinge, sind einfach zu unterhaltsam, um sie zu verteufeln.

Es sind 22. 22 Kandidatinnen.


Und hier noch der Jetzt.de Artikel

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