#43 Gastro, Digga!

Kennt ihr das, wenn ihr aufwacht und euch so fühlt, als hättet ihr das erste Mal in eurem Leben geschlafen und gleichzeitig so, als ob ihr nie wieder schlafen werdet? Genauso fühlt man sich Samstagsmorgens, wenn man das Wochenende in der Gastro durcharbeitet.

Guten Abend aus Düsseldorf. Freunde, ich kann gar nichts mehr.

Eigentlich ist ja heute Sonntag, Sonntag heißt Feminismus Pamphlet, aber irgendwie kommt mir das schon jetzt vor wie ein alter Hut und zum anderen habe ich gelernt, dass man nichts erzwingen sollte, worauf man eigentlich gar keinen Bock hat. In Punkto schreiben. Und sonst eigentlich auch nicht.

Ich möchte diesen Sonntag also lieber dazu nutzen um ein bisschen über die letzten zwei Tage zu lamentieren und über die Gastro. Über das wie und warum.

Der Artikel gestern war vorgeschrieben und mittlerweile fehlt mir richtig was, wenn ich mich mal einen Tag hingesetzt habe und gar nichts geschrieben. Auf der anderen Seite, würde ich so gerne den Tag heute freinehmen, aber dann denke ich mir, dass es genau dabei hierum geht: Nicht einfach aufzugeben, wenn es mal nicht perfekt passt. Sich einfach doch zu überwinden und durchzuziehen, was man sich vorgenommen hat. Und deswegen sitze ich hier nun trotzdem und schreibe für euch.

Ja, die Gastronomie. Es ist schon eine komische Welt, in die ich da reingerutscht bin. Als ich 2011 in den USA war, lebte ich in einer Gastfamilie, die ein Restaurant führte und seit dem, habe ich der Gastro nie wieder den Rücken gekehrt. Natürlich auch aus praktikablen, finanziellen Gründen, aber auch aus einer gewissen Hassliebe heraus, die vermutlich viele mit mir teilen. Denn machen wir uns nichts vor, kellnern ist bestimmt nicht der geilste Nebenjob der Welt. Die Stunden sind scheiße, das Arbeiten ist anstrengend, die Bezahlung oft nicht vorhersehbar, die Gäste nervig und die Teams nicht immer das Gelbe vom Ei. Aber als wir heute dasaßen und nach Feierabend noch ein Bier tranken, kam mir der Gedanke, wie sonderbar es ist, mit was für Leuten, man da am Tisch sitzt.

Die Gastro macht folgendes mit uns:

Sie schafft eine Parallelwelt zu unserer Realität, für uns, für die Gäste. Wir kommen und gehen und verbringen dort Stunden, in den wir einfach so tun, als sei dieses Restaurant, wie ein Wohnzimmer, in das der Ernst des Lebens nicht vordringen kann. Man kommt und isst und trink und lässt es sich gut gehen, man redet mit seinen Lieben und Fremden, als sei man zu Hause und dann geht man einfach und lässt die Sorgen, die Kehrseiten an seinem Tisch zurück. Kellner arbeiten zwar mit einer Hingabe die sicher nötig ist, um in diesem Job zu überleben, aber lasst euch gesagt sein: Jeder von ihnen brennt eigentlich für etwas Anderes. Jeder steckt mit seinem Kopf in einer anderen Welt, die nichts mit dem Restaurant zu tun hat. Das ist auf der anderen Seite schön, weil man von dieser Unterschiedlichkeit schon profitiert, aber auch schwer, denn diese Samstage und Sonntage sind immer nur die zweite Geige, für alle von uns.

Das ist Geld, das ist Selbstständigkeit, Beschäftigung und Zugehörigkeit, aber auch die Stammtischgespräche nach Feierabend mit den Leuten, die man nicht im Club, nicht beim Sport, nicht bei der Arbeit, nicht immer Supermarkt getroffen hätte, wenn nicht hier. Man kennt sich nicht und versteht sich eigentlich auch nicht.

Ich liebe dieses Zufallsprinzip. Ich liebe die Stammtische und die Wohnzimmer, das Feierabendbier, das kalte Mittagessen. Das ist Gastro. Und vom Tellerwäsche Digga genannt zu werden, das ist auch Gastro.

Mega kurzes Gastro Q & A. Aber ohne Fragen. Nur Antworten.

Nicht mehr lange. Nach der nächsten Schicht kündige ich.

Nein, ich hasse schlafen.

Ja, Honig kostet extra.

Trinkgeld ist auch so nett. Egal, wieviel ich verdiene.

Doch, der Koch ist eigentlich echt ein netter.

Ja, ich arbeite wirklich noch so lange, bis sie aufgegessen haben.

Der Wein hat einen Schraubverschluss.

Ich habe Sie wirklich nicht gesehen.

Nein, nein. Sie hätten natürlich nicht eher sagen können, dass Sie die Rechnung splitten.

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