YouTube Drama

Mit großer Macht kommt auch große Verantwortung.

Man muss aber dazu sagen, dass Felix aka PewDiePie nicht darum gebeten hat, einer der einflussreichsten und wichtigsten Internetpersönlichkeiten der Welt zu werden.

PewDieWer fragt ihr euch? Wer ihn nicht kennt, PewDiePie ist der meiste gesubbte YouTube auf der ganzen Welt, mit einem riesen Vorsprung vor offiziellen Regierungschannels, JustinBieberVevos und dem KazooKid. Nur, weil er in der breiten Masse weniger bekannt sein mag als Helene Fischer, macht ihn das nicht weniger relevant, im Gegenteil – denn mit einer Reichweite von über 50 Millionen Menschen, ist er nicht nur der feuchte Traum eines jeden Werbekunden, sondern heimst damit auch Quoten ein, die nicht mal die Tagesschau erreichen kann. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Video von PewDiePie hat nach einer Woche etwa genauso viele Views wie das Finale vom Deutschen Quotenkönig, dem DschungelCamp. (ca. 7 Millionen). Und wir wissen alle, was am nächsten Tag los ist, wenn sich dort zwei Teilnehmer um eine Schüssel Reis gestritten haben.

Ähnlich explosiv wird dann auch ein Skandal um den YouTuber gehandelt, ein 26-Jähriger Schwede, der einst sei Studium abbrach um stattdessen in einem Hotdog laden zu arbeiten und online Video spiele zu spielen. Heute ist er Millionär, mit einer eigenen Stiftung, einer Firma mit Mitarbeitern und Firmensitz in Brighton, UK. Dieses Konstrukt bröckelt seit letzter Woche gewaltig, YouTube und Produktionsfirma Maker’s mit Schirmherrn Disney gehen auf Distanz, die neue Staffel seiner YouTube Red Show Scare PewDiePie wurde gecancelled und schuld daran ist ein Artikel, ausgerechnet vom Wall Street Journal, der den Internet Star nun als Antisemiten hinstellt. Das klingt auch für Unbeteiligte schon verdammt unwahrscheinlich und scheidet seitdem Geister mit der Frage, was denn nun dran ist an den Vorwürfen.

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Was bitte?

In einem Clip zum dazugehörigen Artikel, der für nicht eingeloggte User leider nicht ganz zu lesen ist, werden Ausschnitte aus PewDiePie Videos gezeigt, die sich angeblich über Juden und den Holocaust lustig machen. Das ist zwar plump daher gesagt, aber leugnen lässt sich bestimmt nicht, dass diese Art auf Humor schnell mal auf verschränkte Arme stoßen kann. Fakt bleibt aber auch, dass PewDiePie weder der erste, noch der letzte ist, der sich über Hitler lustig gemacht hat, immerhin gibt es ganze Kinofilme, Serien und Comics, die sich das zum Inhalt machen – lustig fand das war nicht jeder, aber es sei auch Teil der Bewältigungsarbeit, die Vergangenheit nicht immer auf Federn zu betten. Was die Sache mit dem „Hate to all jews“-Schild angeht, was zwei von PewDiePie bezahlte Inder im Internet in die Kamera’s halten, so ist PewDiePie’s Begründung zwar plausibel, aber trotzdem von vorn herein eine Scheißidee gewesen: Er hätte zeigen wollen, wie dumm diese Freelancer Websites sind und was die Leute alles für Geld machen. Mit ähnlichem Gedankengang hatte auch eine Jesusfigur ein paar Wochen zuvor in die Kamera gesagt, dass Hitler ja nichts falsch gemacht hätte. Sein soziales Experiment in allen Ehren, stimmen mir glaub ich die meisten zu, dass der Holocaust vielleicht nicht der beste Gegenstand ist um eine Spaßwebsite zu testen.

Warum ist das nicht lustig?

Fernab von der Frage, wer hier lügt und wer hier recht hat, ob PewDiePie eigentlich ein Nazi ist, oder doch Mitglied der ISIS, wirft diese Kontroverse auch wieder die Mutter aller Fragen auf: Wie weit darf Satire gehen?

Das Buch, in dem geschrieben steht, was genau auf dieser Welt eigentlich zum Lachen ist und was nicht, wurde mir bisher leider immer vorbehalten. Tatsächlich gibt es keine Vereinheitlichung, die mir einfällt – auch nicht, wenn man sich Beispiele der letzten Jahre ansieht:

„Er ist wieder da“ ist ein gefeierter Bestseller und wenn Helge Schneider in „Mein Führer“ Aussagen wie „…das mit der Endlösung, dürfen Sie nicht persönlich nehmen“ zu einem Juden sagt, dann ist schon zum Lachen. Schreibt Jan Böhmermann in seinem Gedicht, dass Erdogan gerne Schafe (oder waren es Ziegen?) vergewaltigt, dann finden das zumindest alle lustig, außer die Union im Bundestag. Charlie Hebdo überschritt für Jahrzehnte Woche für Woche Grenzen, wenn es um die Religionen anderer Menschen um Politik und radikalisierte Wahnsinnige ging – das warf auch die Frage auf, was Satire darf und was nicht. Nicht, weil irgendetwas je den Angriff auf die Redaktion im Jahr 2013 rechtfertigen könnte, sondern weil man sich angegriffen fühlt in seiner Freiheit.

Was ich damit sagen möchte ist nicht, dass es in irgendeiner Weise in Ordnung ist Sprüche, wie „Death to all Jews“ im Internet auf irgendeine Art zu verbreiten, aber dass die Frage hier nicht lautet, ob PewDiePie ein Antisemit ist, sondern ob er mit so einer Art von Humor zu weit geht. Ein Mensch, der absichtlich Hass im Netz verbreitet sieht nämlich eindeutig anders aus. Das sind nicht die Clowns mit den großen Reichweiten, sondern die kleinen Hamster die sich langsam durch Timelines der obersächsischen Mittelschicht fressen. Content derer findet man übrigens nirgends in einer Video-Compilation mit Hintergrundmusik, die den Eindruck erweckt, als handle es sich um die Botschaft einer internationalen Menschheitskrise.

Humor, den nicht alle lustig finden ist bisher selten ein Grund gewesen, drei Reporter über Wochen und Monate auf den YouTube Kanal einer einzelnen Person anzusetzen, wenn es genug Themen gibt, über die man berichten könnte und die tatsächlich auch in das Themengebiet des Wall Street Journals fällt. Und auch, dass Disney nun so tut, als haben sie heute zum ersten Mal bemerkt, dass PewDiePie oft nicht denkt, bevor er spricht und nun so zu tun, als sei es ihnen wie Schuppen von den Augen gefallen, dass sich hinter dem Gamer eigentlich ein gemeingefährlicher Antisemit versteckt, gleicht auch eher einem schlechten Scherz, als einem bösen Erwachen.

Bieber Roast GIF - Find & Share on GIPHY

„Normalising hatered“, war eine Aussage aus diesem Wall Street Journal Artikel – ein Spieß, der sich auch schnell mal umdrehen lässt. Denn wenn ein Wirtschaftsblatt plötzlich losgeht und sich hunderte Videos eines Gamers ansieht, auf der Suche nach einer Frequenz, die irgendwie fragwürdig ist, dann muss man sich wirklich fragen, wer hier nicht weiß, wo sein Aufgabenbereich liegt. Dann ist es auch mehr als gerechtfertigt, diese Art von Berichterstattung nicht als Aufdecken von schädlichem Content im Netz zu verstehen, sondern als Angriff gegen Felix als Person – mit „Fake-News“ Geschreie hat das wenig zu tun.


PewDiePie’s Statement & Entschuldigung

Wall Street Artikel


Was haltet ihr von dem ganzen Drama? Ist es gerechtfertigt soviel Aufsehen um einen Internet Star zu machen? War es richtig von Disney & Co. Pew den Rücken zu kehren?

Comments, baby!

 

 

 

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