Politikwoch: Rechtsfront erkältet durch kalte Füße und Angstschweiß

Behauptungen aufzustellen, die auf der eigenen Wahrnehmung und Beobachtung resultieren sind natürlich immer mit Vorsicht zu genießen. Immerhin ist ein jeder von uns gelenkt und beeinflusst, von seinem sozialen Umfeld, vom Facebook Algorithmus und seinem persönlichen Interessenfeld. Aber ganz ehrlich, wir sind hier nicht das statistische Bundesamt und meine Theorie kommt auch nicht aus dem Buch der Gebrüder Grimm sondern von der Auffassung eines aufmerksamen Menschen – vielleicht ist ja was dran.

Willkommen zum Politikwoch.

Nach der Schwarzmalerei von letzter Woche über die Abgründe der Rechtsextremen in meiner versehentlichen Facebooksuche mag dieser Artikel hier fehlplatziert sein, aber genauso wenig wie die faktische Genauigkeit habe ich mir ja auch nicht die sachliche Kontinuität auf die Fahnen dieses Blogs geschrieben. Hier ist mein Eindruck: Die Düsternis des Jahres 2016, von der Amnesty spricht, der Rechtsruck, die besorgten Bürger, das Geschreie nach der Lügenpresse und nach „Make everything great again“, sie scheint mir einen kleinen Schritt zurück gegangen zu sein.

Ein kleiner, kleiner Schritt, aber ein merklicher Schritt. Die AFD kämpft mit schwankenden Umfragewerten, zum ersten Mal seit langem unter 10%, Donald Trump blamiert sich Tag ein Tag aus aufs Neue im Weißen Haus, die Flüchtlinge neigen viel weniger dazu, den besorgten Bürgern jeden Tag ihres Lebens zu versauen und spazieren geht in Dresden auch niemand mehr. Vom „Smashing Success“ des Brexit fühlt man hier zu Lande immer noch herzlich wenig, was bestimmt auch die Briten selbst schon bemerkt haben und Martin Schulz, der Arbeiterkaiser, holt die Genossen aus ihren dunklen Löchern, wie die Klingel des Eiswagens die Bänker an heißen Sommertagen aus ihren Büros.

Habe ich mich einfach schon dran gewöhnt? Berichten die Medien weniger darüber? Oder sind die Stimmen der Besorgten und der „das wird man doch wohl noch sagen dürfen“, der „You’re not laughing now, are you?“ und der „Merkel zerstört Deutschland“-Schreier tatsächlich leiser geworden?

Möglich wäre es. Viele könnten es mit Angst zu tun haben, angesichts eines Donald Trumps, der angefangen hat, die Menschen muslimischer Herkunft genauso abzuschieben, wie den freien Journalismus in den Staaten. Das klingt zu Weilen tatsächlich sehr nach 1933 und auch der besorgteste aller Bürger wird begriffen haben, dass es nichts nützt „eigentlich“ kein Nazi zu sein, wenn die zu wählende Partei aus solchen besteht. Vielleicht bekommen es viele mit der Angst zu tun, wenn sie merken, dass die Bundestagswahl vor der Tür steht und eine drittstärkste, rechte Partei schon sehr bald Realität werden könnte. Das könnte kalte Füße verursachen und viele dazu bringen, sich mit der Tatsache auseinander zu setzen, dass Trumpwähler im Nachhinein nicht gerade den Ruf weghaben, America wirklich greater gemacht zu haben.

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Es sind die schlechten Vorbilder die uns zu besseren Menschen machen.

Auch ist es das Blatt, was sich gewendet hat. Die Flüchtlingskrise ist zwar noch nicht überstanden, aber weniger akut und obendrein hat sie gezeigt, dass wir weder alle auf der Straße leben, noch verlernt haben Deutsch zu sprechen und Schnitzel zu braten. Diese Regierung, der man die Unfähigkeit non-plus-ultra nachgesagt hat, hat am Ende vielleicht doch nicht so versagt und wenn selbst die CSU sie für konservativ genug hält, dann können es die verängstigen AFD Wähler vielleicht auch. Oder mehr noch, sich mit den Problemen auseinandersetzen, die sie wirklich betreffen und mit einem bangen Blick aufs Konto feststellen, dass ein bisschen Sozi-Romantik noch niemandem geschadet hat.

Die entscheidende Kirsche auf dem Haufen sich häufender Hinweise dafür, dass das ärgste Überstanden sein könnte liefert natürlich die AFD selbst. Ihre zielsichere Art sich selbst immer wieder und wieder ins Abseits zustellen hat der ohnehin schon instabilen Fassade tiefe Risse beschert. Ein Höcke der nur knapp die Chance verpasst hat den Traum vom Nationalsozialismus am eigenen Leibe zu erleben bleibt nun keine andere Wahl mehr, als an die Tür der NPD zu klopfen und auch die würden sich einen Skandal liefern ihn noch aufzunehmen. Petry steht deswegen zwar nicht wie eine heilige da, aber wie eine Frau die bewiesen hat, dass sie weder befähigt ist eine Partei zu führen, geschweige denn sie durch einen Wahlgang zu befördern ohne sich in der bösen 5% Klausel oder dem Verfassungsschutz zu verheddern. Da bleibt dann nur noch die schnelle Flucht in die wohlig warme Irrelevanz. Aber sein wir mal ähnlich, auch ohne ihr Zutun stehen die Zeichen mehr als schlecht. Und mehr als gut.

 


Über AfD Umfragewerte

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Ein Kommentar zu „Politikwoch: Rechtsfront erkältet durch kalte Füße und Angstschweiß

  1. „(…) genauso wenig wie die faktische Genauigkeit habe ich mir ja auch nicht die sachliche Kontinuität auf die Fahnen dieses Blogs geschrieben.“

    Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung.

    Liebe Grüße😊

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