Wenn wir den Fehler machen, der nicht gemacht werden darf

Ich lass das mal kurz hier und geh Kaffee kochen…


Für die meisten ist dieser Meilenstein der 89 Jährigen Academy Award Geschichte schon ein alter Hut. Ich möchte das Thema aber trotzdem nochmal in der Pfanne schwenken und ein paar Punkte anknüpfen, der dieser Faux-Pas für mich offenlegt.

 

  1. Das Internet ist so grausam

Es ist einfach böse und verdient, aber trotzdem böse, wie gewetzt die klitzekleinen Dolche des World Wide Web an diesem Montagmorgen waren. Das führt mich zu der ehrlichen Frage ob es denn nun wirklich zum Lachen oder Weinen sein sollte.

Fehler passieren jedem. JEDEM. Immer und ständig. Obwohl das so auch nicht ganz stimmt. Es gibt Dinge, die gehen einfach nicht schief, weil sich eine große Menschen Gruppe an dieser Aufgabe verschrieben hat und dafür sorgt, dass sie nicht schiefgeht. Warum der einzige Job bei den Oscars, der wirklich akkurat erledigt werden muss, so in die Hose gegangen ist, ist mir dann wirklich ein Rätsel. Menschlichkeit hin oder her, der Super Gau ist passiert und niemand hat es verhindert. Wäre es dann angebrachter lieber wütend, statt belustigt zu sein? Den Face-Palm durch die Wutgeste einzutauschen und sich maßlos über die verpfuschte Gala zu echauffieren? Ein bisschen gerecht wäre das. Immerhin ist diese Verwechslung ja kein gottgegebenes Missgeschick, dass ohne Vorwarnung über uns alle hereinbrach, sondern ein Resultat aus Unachtsamkeit und Schlampigkeit.

Und am Ende des Tages? Ja, am Ende des Tages ist es nur ein Phantasiepreis, der an Menschen gegeben wird, um eine Leistung zu honorieren die der Menschheit nur begrenzt etwas nützt. Vielleicht ist das auch der Grund warum dann so schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen wurde. Price Waterhouse Coopers hatten zwar versprochen für ihr Missgeschick Rede und Antwort zu stehen, aber wie es nun aussieht wird seinerzeit niemand mehr nach der Wiedergutmachung fragen.

 

  1. Die Fehlerkultur

Unzählige Studien gehen der großen Schwachstelle der Menschen auf Grund und versuchen und mit ein paar Erklärungen über das schlechte Gefühl in der Magengrube hinweg zu trösten. Tatsächlich scheint die Last durch den begangenen Fehler so groß zu sein, dass es mir scheint als versuchten wir stetig unsere Fehler-Kultur zu Revolutionieren. Der Traum einer Welt in der wir uns einfach entschuldigen können, Fehler mit denen zusammen ausbügeln, die sie nicht verursacht haben einander vergeben und dann einfach weitermachen, 5 gerade sein lassen und echt Probleme erkennen, wenn sie da sind – sie scheint in greifbarer Nähe und doch bleibt sie ein Traum. Das Sagen umwobene Arbeitsklima in der Start-Up Szene demonstriert etwas, was vielen Generationen das Arbeiten zur Last gemacht hat: Wir lernen aus unseren Fehler. Ja, wir freuen uns sogar über sie. Ein Bekannter von mir organisiert eine Verantwortungsserie mit dem Titel „Fuck Up Nights“ – Redner erzählen über Misserfolge und erklären, wie sie daraus gelernt haben, wie sie ihr Versagen zu besseren Unternehmen und Menschen gemacht hat.

Eigentlich könnte die Welt also so einfach sein, wäre da nicht immer dieses schlechte Gefühl, wenn wir etwas verbockt haben. Denn ob die Erde sich nun weiterdreht oder nicht, etwas ist nicht gelaufen wie es könnte. Sei die Folge nun ein schwieriges Gespräch, Mehrkosten, mehr Zeitaufwand, weniger Schlaf oder einfach ein kurzer Anruf bei Person X – das „mach dir nichts draus“ können sich die meisten auch bei den kleinen Fehlern nicht wirklich zu Herzen nehmen.

Laut eines Spiegel Artikel ist die Zeit der zwanghaften Perfektion zwar vorbei, aber dann kann ich mir unseren Selbstoptimierungswahn nicht recht erklären. Es scheint dann, als hätten wir verlernt uns mit dem kleinsten Problem auseinander zu setzen, was wir hätten vermeiden könnten – egal ob das nun unsere Gesundheit, unsere Finanzen oder unser Job ist und anstatt schlechte Gefühle dann einfach mal auszuhalten wird dann der Business-Punk aufgeschlagen und die „Learnings“-Liste eifrig gepflegt.

Die Moral der Geschicht‘

 

Ein bisschen hat Oscar Eklat gezeigt, wenn etwas schiefgeht, was wirklich nicht hätte schiefgehen dürfen: In der Regel einfach gar nichts. Eine tiefschürende Trauerrede der Verantwortlichen oder die große Rechtfertigung hätten das weder beschleunigt noch verlangsamt. Die Lala Land Crew hat vielleicht zweimal schlucken müssen an diesem Abend, aber mit oder ohne Trophäe ist das Ergebnis fast das gleiche: Geld verdient, Auftritt gehabt, Geschichte geschrieben. Kein Grund sich scheiße zu fühlen.

 


Besagter Artikel über Fehlerkultur: http://www.spiegel.de/karriere/fehler-kultur-angst-einen-fehler-zu-machen-a-994442.html

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