#NRWählt: Es grünt so grün

Den Grünen konnte es nie besser gehen. Und nie schlechter. 

Ich persönlich bin ein großer Verfechter von Maßnahmen zum Bewahren unseres schönen Planeten, den wir beherbergen – damit bin ich ja gottseidank nicht alleine. Umweltbewusstsein ist in den letzten Jahren zu einem riesigen Trend geworden ist. Seitdem man die Moral-Synapsen nicht mehr mit Kirchenrennerei befriedigen möchte leistet man seinen Beitrag eben mit Mülltrennen, mit Biokaufen, mit Grünen wählen. Der Planet muss Regierungssache sein! Und so bildete sich aus einer Gruppierung gleichgesinnten, kein Lesekreis, kein Verein, keine Protestgruppe, sondern eine politische Partei, bei der unser Planet an oberster Prio steht. Ein Leitgedanke, der sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene Naserümpfen verursacht, mit ruckläufiger Tendenz. Immerhin sind die Grünen in den meisten Landtagen vertreten, in NRW sogar unter der Regierungskoalition. Sie gelten als wandelbar und Ehrgeizig, als eine Partei die sich ihre Position entgegen aller Prognosen erkämpft hat. Zwar sagen Manche, außer über Bäume sollen die Grünen über gar nichts reden, aber täten sie das nicht, so wäre ihre Themenwelt in Zeiten von Terror und Euro-Krise in der Tat zu unflexibel um wählbar zu bleiben.

Auch das Wahlprogramm der Grünen ist, gemäß der Konkurrenz in verschiedenen, mehr oder weniger mundgerechten Formaten verfügbar. Ich bediene mich der 2 Minuten Fassung und der 5 Minuten Fassung.

Lassen muss man ihnen von vornherein: Die Website ist echt brauchbar. Sie ist modern und ansprechend, keine Textwüste, keine HTML Molloch, einfach eine Website aus dem 21 Jahrhundert. Das beweist Umsicht in Bezug auf die heutige Zeit und zeigt Professionalität.

Grün und Grüner

Ziel 1 und somit Prio 1: Endlich sauber werden. Erneuerbare Energien sind für viele Deutsche schon ein abgeschlossenes Thema, ob das Plädoyer gegen Kohle-Energie also Wähler mobilisiert, ist schwer zu sagen. Ebenso, wie Thema 2: Ausbau der regionalen Bio Landwirtschaft. Im Supermarkt die Wahl zu haben ist auch hier für viele schon genügend, bei Edeka statt bei Aldi einzukaufen ein Grund für den Ritterschlag und wer seine Lebensmittel direkt vom Bauern beziehen möchte, kann das ja auch heute schon tun. In meiner Ansicht also zwei sehr schwache Punkte.

Mobil und mobiler

Bemerkenswert jedoch ist ein Thema, was zumindest bei SPD und CDU sehr kurz kommt: Mobilität. Besonders in NRW ein großer Punkt. Die öffentlichen Verkehrsmittel hier sind zwar nicht schlecht, aber unübersichtlich und teuer. Jede Region hat seinen eigenen Tarifbereich, übergreifende Tickets sind entweder super teuer und schwer zu bekommen, was bei einer Bevölkerungsdichte wie hier, einfach nur ein Witz sein kann. Die Grünen wollen, dass das NRW Ticket kommt – für alle, für maximal 2 Euro am Tag. Reicht das Geld nicht aus, muss das Land einspringen. Mit einer Online Petition zieht das Thema Kreise im Netz. Ein kluger Schachtzug, denn der Gedanke für Berufspendler und sonstige Nicht-Studenten bald bezahlbar von A-nach-B zukommen ist nicht nur ein riesiger Lebensvereinfacher, sondern holt auch die Schwarzfahrer aus der Dunkelziffer. Das ist ein Wahlgrund. Definitiv.

 

Die große Zukunft

Auch sonst fällt auf: Dieses Wahlprogramm hadert nicht mit Vergangenheit, es bemängelt nicht, wie schlecht die Welt heute ist, es kritisiert nicht die Konkurrenten, sondern richtet den Blick klar nach vorne: Es geht um Jobs, um Wandel, wie man Sozialleistungen unseren neuen Leben anpasst, wie man im Alter gesundbleibt, wie man vorsorgt, woran es alles zu denken gilt. Es geht um Bildung und die Berufe, die damit ausgeführt werden, wie wir unser Geld verdienen und was wir uns davon noch kaufen können. Das gefällt mir persönlich gut und macht Lust, diese Partei gut zu finden. Das macht mit mir, was ein gutes Wahlprogramm tun sollte: Positivität hinterlassen. Hat aber zwei Haken:

Eins.

Es wirkt fast ein bisschen blauäugig. Die Feuerthemen Sicherheit und Zuwanderung werden zwar gleichermaßen, wie alle anderen Themen im Programm, aber mit einer Herangehensweise, die an manchen Stellen ein bisschen Lasch wirkt. Man müsse Salafisten oder Rechtsextremen Hilfsmittel an die Hand geben um den Absprung zu schaffen. Chancen verteilen ist zwar in meiner Auffassung Merkmal einer guten Politik, aber in diesem Zusammenhang ist eben verhängnisvolle Gewalt passiert, viele werden da ein bisschen gut Zureden nicht ausreichend finden.

Zwei.

Die demographische Falle. Zukunftsweisend zu sein, sollte kein Makel sein, ist es aber. Denn der Großteil der Wählerschaft ist eben älter. Die verstehen weniger von Breitbandausbau und digitalen Jobs, die wollen Gesichter und Händeschütteln, Kugelschreiber und Spielplatzfeste, Versprechen hören und Verantwortliche sehen. Ich persönlich brauche das nicht. Mir fehlt der Erklärbärcharakter nicht und ich finde die Nutzung von Hashtags wie #sicherdat um das Thema öffentliche Sicherheit zu betiteln super und einprägend, aber ich und meine Altersgruppe machen die Wahl am Ende ja auch nicht.

Das wird auch der Grund sein, warum die Grünen deutlich für Zweistimmen werben. Denn in den Wahlkreisen passiert da nicht viel. Keine Abgeordneten, keine Spielplatzfeste, keine Kugelschreiber. Das ist eine Strategie, die ich nicht bemängeln möchte, denn Landtagssitze bewirken letztlich mehr, als Händeschüttler und Stammtischreden, wie viele Wähler kennen bei Erst- und Zweitstimme den Unterschied und machen vor allem auch einen?

Kurzes Q & A.

Wie ist Programm? So grundsätzlich?

Ziemlich gut. Ziemlich ausführlich und breit gefächert ohne zu überladen, oder zu schwafeln. Dagegen wirken SPD und CDU sehr schwach. Hinzukommen die anderen Aktionen, die die Grünen im Moment ganz gut nach vorne bringen, wie zum Beispiel die Petition zum NRW Ticket.

Wählbar?

Definitiv. Ich würde mich freuen, wieder eine Koalition mit den Grünen zu sehen. Zusammen mit der SPD wird da auch wenig blockiert und sie können Themen ohne Gegenwind voranbringen, die wirklich etwas verändern und dann in letzte Instanz auch unseren Planeten schützen.

Advertisements

6 Kommentare zu „#NRWählt: Es grünt so grün

      1. Ich denke die Grünen hatten ihre Zeit, wurden damals, lang ist es her, von der Joschka Truppe gekapert, bauen weiter an Stuttgart 21 und kämpfen um die 5 %.
        Der Wahlomat sagt, wähl die nicht🌻

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s