#NRWählt: FDP – Immer für die Überraschung gut

Nach dem freien Fall kommt der… Ja, was kommt da eigentlich? Von Seiten der Physik her betrachtet, ohne Frage ein unsanfter Aufprall. Aber in wenigen Fällen kommt auch eine unerwartete, aber hoch geschätzte Windböhe daher, die Auftrieb gewährt, um schon so manchen Freifäller wieder auf Kurs zu bringen. Ein bisschen war das auch so mit der FDP. Nur das es hier dann doch nicht die Gottgesandte Windböhe war, sondern strategisches Denken, eine Idee und einer, der sie umsetzt.

Als dieser jemand kristalisierte sich dan Christian Lindner heraus, der im geheimen FDP-Exil, nämlich daheim in Düsseldorf, an seiner Rückkehr tüftelte, wie Lord Voldemord im Haus der Gaunts. 13 Jahre hat es zwar nicht gedauert und schlechte Absichten hat Christian Lindner auch nicht, aber der Überraschungseffekt ist schon vergleichbar.

Ich für meinen Teil bin angenehm berührt von Wahlwerbespots in schwarz weiß, mit starkem Voice Over und starken Themen, von leidenschaftlichen Schnappschuss-Plakaten, von einem guten Wahlprogramm, dass man versteht und gerne liest. Die Themenauswahl der Kurzfassung konzentriert sich auf Bildung, auf Fortschritt, Sicherheit und die Wirtschaft. Ähnlich wie das Programm der Grünen ist die Aufmachung modern und zukunftsgerichtet, kein Genöle, kein Bedauern, keine Schuldzuweisung. Gibt in meiner Wertung ja immer Pluspunkte.

Bildung legt den Grundstein.

Die FDP hofft auf Glätten der Wogen zwischen Stark und Schwach durch starke Schulen und gute Technologie. Da klingeln mir die Ohren, das habe ich auch bei der SPD schon bemängelt, denn wer braucht ein iPad in der Hand, wenn man nicht mal einen stabilen Stuhl zum sitzen hat. Pluspunkt für die FDP gibts aber für den Satz: „Die Wertschätzung unserer Kinder sollte man wieder am Zustand unserer Schulen ablesen können.“ Das klingt nach Vernunft und nach „einen Stein auf den anderen setzen“, nicht nach romantischem Aktionismus, der zwar Kreuzchen generiert, aber sicher keine iPads in den Klassenräumen.

Grundsätzlich macht die FDP in ihrem Programm alte Dauerthemen immer ein bisschen besser. Breitbandausbau heißt nicht: Wir bauen den Breitband aus, sondern: Wir wollen ein eigenes Ministerium für diesen Zweck. Ein eigenes Ministerium für die Digitalisierung. Das mag Manchen wie Aktionismus vorkommen und schürt Zweifel, wo Prioritäten liegen, aber räumt auch den Vorwurf aus, die FDP wolle zunächst erstmal aus der Krise raus und dann nichts weiter tun. Das bestätigt auch einen Querdenker Ansatz, der bei vielen Parteien bis dato fehlt. Fern der Bewertung des Inhalts, finde ich den frischen Wind aber sympathisch und selbstbewusst.

Auch die Dinge beim Namen nennen können sie irgendwie: „In NRW werden salafistische Terroristen rekrutiert.“ Punkt. Das ist ein Satz, der in den meisten Wahlprogramm nichts verloren hat, bestimmt nicht in solchen, deren Urheber zur Zeit im Landtag vertreten sind. Sicher, wer sich keine Schuld geben muss, tut gut daran Wahrheiten auszusprechen – aber auch meist schlecht daran, diese Fehler auszubügeln. Polizei personell aufrüsten, Gefährder überwachen, Bürger in Frieden lassen. Gerechterweise: Flüchtlingskrise ist nur weniger Ländersache, aber das ist mager. Auch de Worte zur Einwanderung klingen nach Rätseln: Zwischen Flüchtlingen und Einwanderern unterscheiden, nach Talenten werben und Integration verbindlich festlegen. Das klingt für mich nach „um den heißen Brei herum reden“ und keine klare Stellung beziehen (wollen).

Und so allgemein?

Definitiv auf der Überraschungsseite, wie die Grünen. Erstaunliche starke Themen, von einer Partei über die man gar nichts mehr zu wissen glaubte, die nicht Fisch, nicht Fleisch war.

Aber?

An ein paar Stellen drückt der Schuh schon. Wie auch die CDU, sieht auch die FDP zum Beispiel das Vergabe-Gesetz oder die Hygiene Ampel als unnötigen Bürokratie Klotz-am-Bein an. Unrecht haben sie vielleicht nicht, aber manchmal heiligt der Zweck auch die Mitte, oder anders: Einen Tod muss man immer sterben. Wie ich auch schon bei der CDU sagte: Wer anfängt jedes Gesetz seinem bürokratischem Aufwand gegenüber zustellen, aber nicht seinem Nutzen, kann den Rechtsstaat auch direkt brach legen.

Und zum Schluss?

Unterm Strich ein astreines Wahlprogramm, mit einer astreinen Kampagne. Ich bin voll verliebt.

PS: (Weils echt gut gemacht ist)

 

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3 Kommentare zu „#NRWählt: FDP – Immer für die Überraschung gut

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