Ein tragisches Ende

An einem schönen Junimorgen, an so einem wo die Sonne zum ersten oder zweiten Mal so richtig scheint und sich Land und Leute noch nicht an den Sommer gewöhnt haben, da fiel ein Vogel tot von der Stange. Das Vogelschießen ist im Ruhrgebiet, wie auf verlassenen Landstrichen immer noch ein angesehener Sport. Was man aus Eiskalte Engel und Gossip Girl als „Entenjagd“ kennt, dem zollt man in niedrigeren Kulturkreisen auch gerne mit Tontauben oder Stockenten Tribut. Einzig und allein dem Zweck dienend ein bisschen von dem Schein ab zubekommen, der vom Ruhm des Vogelschießens ausgeht. Einen toten Vogel auf der Straße zu sehen ist dann kein Zeichen mehr von städtischer Verwahrlosung, sondern ein Hoffnungsschein für den Wiederaufstieg des lange verkommenen Proletariats.

Okay. An einem dieser Juni Tage saßen eine Freundin und auf dem Real Parkplatz auf einer Rampe und aßen Fleischkäsebrötchen, ich mit Ketchup, sie mit Senf, zur Belohnung für einen harten Tag. Da ging die Verkäuferin der 50/50 Zeitung, die an sonnigen wie an Regentagen immer dort Stand und ihre Zeitung verkaufte über den Parkplatz und hob in der dritten Parkreihe eine tote Taube vom Boden auf. Am Flügen von ihren Fingern hängend trug sie das tote Tier über den Parkplatz zu einer Mülltonne, hob den Deckel und ließ die Taube hineinfallen. Ein tragisches Ende – selbst für eine Taube und für die 50/50 Verkäuferin ganz besonders.

Ich wurde angeschossen

Auch wenn nicht ganz klar war, von wem, oder von was, aber es hat mich Anfang Mai mit einem Schlag in eine Art Koma versetzt.
Ich habe in diesem Koma einiges erlebt. Zunächst habe ich geschlafen. Gefühlt eine ganze Woche lang mit nur wenigen Unterbrechungen, zum Kellnern zum Beispiel, oder um mein Essen beim Japaner abzuholen. Dann habe ich wieder ein bisschen Sport gemacht, mich ein bisschen auf ein bisschen mehr Aktivität und Frische gefreut. Pläne die mit dem Beginn des Sommers ein für alle Mal durchkreuzt wurden. Sommer ist die Zeit der Unterbrechung. Es ist die Zeit um in einem Koma zu liegen und trotzdem die Möglichkeit zu haben, Schritt für Schritt zurück zu holen, was man wirklich vermisst. Ein bisschen wie dieses Prinzip dieses Minimalisten, der mit einem Schlag seine ganze Wohnung leerräumt und dann Woche für Woche lediglich ein Teil zurückholt, um heraus zu finden, was er eigentlich zum Leben braucht und was nicht – verlinke ich euch aber nicht um den Minimalisten-Terror auf Youtube nicht weiter anzuheizen.

Nundenn, abgesehen vom Sport treiben, habe ich solange alles verbannt bis nur noch eine Mischung aus Bequemlichkeit und Müßiggang übriggeblieben ist. Ein wunderbares Sommerleben, in dem im Park gelegen wird, geraucht wird, ausgeschlafen wird, wo der Kühlschrank immer leer ist und der Magen immer voll. Ich liebe den Sommer einfach. Und deswegen hab ich das mit Sport dann auch bleiben lassen, denn so richtig hab ich gar nichts mehr zum Leben gebraucht.
Mit dem Sommer kam auch das Ende der Ausbildung, das Ende eines Abschnitts. Und zum ersten Mal seit dem Abi, erwachte ich an einem Tag, an dem ich nicht eine Sache zu tun hatte. Das fühlt sich dann erstmal komisch an, weil solche Tage zwar gut klingen, in der Realität sich aber schnell mit Trägheit füllen.

Was tut man gegen die Trägheit?

Ich bin da wirklich kein Experte. Solche Tage sind oft die dunkleren, schwereren, als die, an denen ich nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Bewährt hat sich aber das gute alte, change what you hate Prinzip. Wer den Müßiggang nicht mag, kann sich zwar einfach in Beschäftigung stürzen, das geht aber nicht, wenn man angeschossen mit Sommergrippe im Koma liegt. Ich entschied mich dann einfach dafür die Trägheit nicht mehr zu hassen, sondern zu lieben und blieb eben einfach im Bett liegen, bis ein neuer Tag kam, an dem es wieder eine Aufgabe gibt.
Und dann war es Juli. Und plötzlich gings mir scheiße.


Es war Zeit die Sommerträgheit in die Schranken zu weisen, aufzustehen und wieder zu meinem alten Leben zurück zu kehren. Ich fange hier an. Auf meinem Blog, denn ich so mühselig über Monate aufgebaut hatte und dann einfach links liegen ließ um meine Schusswunde zu kurieren.

 

Die Maus in der Mauerritze

Vor ein paar Wochen saß ich in Tel Aviv in einer Seitenstraße auf einer kleinen Mauer und beobachtete eine Straßenkatze. Die Katzen dort sehen arabischer aus, als in Mitteleuropa, mit spitzen Schnauzen und großen Ohren. Zwischen Mauer und Kopfstein ergab sich eine kleine Ritze aus der eine kümmerliches Pflänzchen Efeu wuchs und mit Sicherheit allerlei Getier beherbergte. Die Straßenkatze, welche erfahrungsgemäß zum schüchternen Schlag gehört prokelte emsig mit der Pfote in der Mauerritze rum. Ich sah da ganz gebannt zu, in der Hoffnung einen aufregend Katz und Maus Kampf zu beobachten, der dann für immer ausblieb. Eigentlich war die Maus ja schlau und die Katze dumm, denn warum sollte die Maus herauskommen, wenn die Katze eh nicht hineinkam und warum versuchte es die Katze überhaupt, wenn die Maus ja wusste, dass sie nicht reinkommen konnte. So ist das auch mit dem Müßiggang und der Motivation.

Ich war die Maus im Niescheninneren, draußen pochte mein Leben an die Tür um dieses gelangweilte, faule Ich mit einem Bissen aufzuessen. Eigentlich war die Maus nämlich gar nicht schlau, denn in einer Mauerritze konnte man wirklich kein Leben führen, auch für eine Maus nicht.
Als ich aus Israel zurück kam überlegte ich dann mich dann wieder in die Arbeit zu stürzen. Das fühlte sich gerade erst mal anstrengend und unnatürlich an. Besonders im August, wo die ganze Stadt nach Ibiza geflohen ist und sich dem Sommer frönt. Ich bin hier in der Stadt geblieben, das letzte tapfere Schreiberlein, das vor seinem Laptop sitzt, während draußen der Regen ans Fenster peitscht. Und ich schreibe wieder jede Woche.

Sunny im Namen von mir, über all das was zu bereden gibt. Willkommen zurück. Hi.

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